Freiherr Franz von Perfall

Als Träger eines bekannten bayerischen Adelsnamen wurde Franz Freiherr von Perfall am 11. Juli 1879 in Schloss Greifenberg am Ammersee geboren. Nach dem Forststudium in München und seiner Tätigkeit am Forstamt Kelheim an der Donau übernahm er 1916, nach dem Tod seines Vaters, die Bewirtschaftung des seit 1448 im Familienbesitz befindlichen Forstbetriebes. Als passionierter Privatwaldbesitzer engagierte er sich in verschiedensten Gremien. So gehörte er dem bayrischen Waldbesitzerverband von seiner Gründung bis zur Auflösung 1934 als Vorstands und Ausschussmitglied an. 1919 wurde er als Vertreter der bayrischen Waldbesitzer vom Reichsverband Deutscher Waldbesitzervereine in den neu gegründeten Reichsforstwirtschaftsrat entsandt.


Bald nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges setzte sich von Perfall für den Wiederaufbau einiger, im Dritten Reich aufgelösten Verbände ein. Er wirkte dabei u.a. bei der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände und des Landesverbandes des bayrischen Nichtstaatswaldes mit. Hier wurde er bei der Gründungsveranstaltung 1945 zum ersten Vorsitzenden gewählt. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die Forstschule Mickenhausen durch die süddeutschen Waldbesitzerverbände sowie später die Waldbauernschule Hohenkammer eingerichtet wurden.


Besonderen Verdienst erwarb sich Baron Perfall bei der Gründung des Deutschen Forstwirtschaftrates im Jahre 1950. In den ersten drei Jahren leitete von Perfall den DFWR als Präsident und konnte somit wichtige forstwirtschaftliche Belange im politischen Alltag erfolgreich vertreten. Zahlreiche Neuregelungen in der Waldbesteuerung, die Förderung des Bauernwaldes durch Ertragssteigerung, die Neuregelung der Holzzölle und Holzfrachten und insbesondere die Frage der Freigabe der Holzpreise konnten durch sein erfolgreiches politisches Engagement zum Abschluss oder zumindest auf den Weg gebracht werden. Selbst schwierigste Debatten hat er als "Präsident mit der grünen Nelke" im Knopfloch mit diplomatischem Geschick zu einem gütlichen Abschluss führen können. Auch von den holzwirtschaftlichen Verbänden wurde anerkannt, dass Baron Perfall in den besonders schwierigen ersten Jahren, nach der Aufhebung der dirigistischen Maßnahmen, auf dem Rundholzmarkt für die Argumente der Holzwirtschaft, vor allem der Holzkäufer, Verständnis zeigte und um einen fairen Interessensausgleich bemüht war. In Ansprachen zeigte sich von Perfall als Meister humanistischer Bildung mit künstlerischen Neigungen, die er in jüngeren Jahren als Mitarbeiter der satirischen Zeitschrift Simplizissimus entdeckt hatte.


Die Auflagen der Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg waren Anlass, dass Perfall seinen Wunsch nach einer genaueren statistischen Erfassung des gesamten Privatwaldes in Bayern in die Tat umsetzen konnte. Die Privatwaldaufnahme in Bayern konnte somit in den Jahren 1946 bis 1960 vom Landesverband für den bayrischen Nichtstaatswald, dem heutigen Bayrischen Waldbesitzerverband, durchgeführt werden. Die Landesaufnahme erbrachte trotz einiger statistischer Mängel erstmals fundiertes Zahlenmaterial über die Besitzverhältnisse, Größe, Holzartenanteile, Altersklassen, Bestockungsgrade usw. für den gesamten Kleinprivatwald in Bayern. Sie war eine wertvolle Grundlage für die Ertragssteigerung im Bauernwald, die Holzmarkt, Handels und Zollpolitik, die Landesplanung und für alle mit der Bauernwaldförderung befassten staatlichen und berufständischen Stellen. Freiherr von Perfall und der 1958 verstorbene Forstdirektor und Vorsitzende des Steuerausschusses des DFWR, Lidl, gehörten zu den ersten Forstleuten, die die große forstpolitische Bedeutung der bäuerlichen Waldbesitzer und die besonderen forstpolitischen Verhältnisse im Bauernwald erkannten.


Nach seiner altersbedingten Aufgabe des Präsidentenamtes 1953 stand von Perfall dem Deutschen Forstwirtschaftsrat als Ehrenpräsident und dem Landesverband des Bayrischen Nichtstaatswaldes als Ehrenvorsitzender stets mit seiner Erfahrung und seinem Rat zu Seite. Die Bundesregierung verlieh ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik, das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten überreichte ihm die Goldene Medaille.
Baron von Perfall starb am 27.03.1966.

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