Professor Dr. Dr. h.c. Julius Speer

Professor Dr. phil. nat. Dr. jur. h. c. Julius Speer starb als emeritierter Ordinarius für Forstpolitik und Forstliche Betriebswirtschaftslehre der Universität München am 08.07.1984 im Alter von 78 Jahren. Auf diesen Lehrstuhl wurde Speer 1952 als Nachfolger von Professor Viktor Dieterich berufen und gleichzeitig zum Leiter der Bayrischen Forstlichen Forschungsanstalt ernannt. Seine wissenschaftliche Arbeit beschäftigte sich vor allem mit der Produktivitätssteigerung in der freien Marktwirtschaft, den Wechselbeziehungen zwischen Staatsgewalt und privatem Waldbesitz, dem Verhältnis zwischen Forst und Holzwirtschaft, der Organisation der Forstverwaltungen, der forstlichen Steuerlehre und den forstbetrieblichen Fragen der Kostenrechnung.


Julius Speer wurde am 03.12.1905 in Talheim in Württemberg geboren, er studierte Forstwissenschaften in Tübingen, Freiburg und München und war nach seiner Promotion im Jahre 1929 bis 1934 als Oberförster in der württembergischen Staatsforstverwaltung tätig. 1934 übernahm er einen Lehrauftrag an der Universität Freiburg, wo er bereits ein Jahr später, erst 30jährig, zum außerordentlichen Professor und schließlich 1942 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Von 19391945 war er Soldat, kehrte 1945 nach Freiburg zurück und nahm seine Tätigkeit als Hochschullehrer wieder auf.


Speer war in einer Vielzahl von Gremien aktiv. Hervorzuheben sind die Tätigkeiten im Bewertungsrat beim Bundesminister der Finanzen, im Deutschen Rat für Landespflege, im Wissenschaftsrat und bei der HumboldtThyssenStiftung. Auf dem Wiener Kongress des internationalen Verbandes der Forstlichen Forschungsanstalten (IUFOR) wurde Speer 1961 zum Präsidenten gewählt, nachdem er von 1953 bis 1960 die Sektion Forstökonomie der IUFOR als Obmann geleitet hatte. Dazu kamen die Ehrenmitgliedschaften bei der Finnischen Forstlichen Gesellschaft (1963) und bei der Society of American Foresters (1964). Von 1960 bis 1963 leitete er als Rector magnificus die Universität München. Nach der zweijährigen Präsidentschaft der Westdeutschen Rektorenkonferenz wurde Julius Speer 1964 zum Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen bezogen sich auf die Gebiete der Forstpolitik, der Holzwirtschaftspolitik, der Forstlichen Betriebslehre und der Entwicklung der Forschung.


Die Verdienste von Professor Speer wurden mit hohen nationalen und internationalen Auszeichnungen gewürdigt. Beispielhaft sind der Bayrische Verdienstorden, der MaximiliansOrden für Wissenschaft und Kunst, das Komturkreuz des Verdienstordens Frankreichs, der Ordens der Palmes Academiques und die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Syracuse im Staat New York.


Als Mitglied des Vorstandes wählte der Deutsche Forstwirtschaftsrat Professor Speer am 01.04.1953 zum Präsidenten und Nachfolger von Baron v. Perfall. Während seiner 15jährigen Amtszeit beeinflusste er viele wichtige forstpolitische Ereignisse. Er stellte bedeutsame forstpolitische Initiativanträge bei parlamentarischen Institutionen und Regierungen und verlieh somit der Forstwirtschaft in Deutschland ein großes politisches Gewicht. Die Aufstellung des Arbeitsprogrammes zur forstwirtschaftlichen Produktionssteigerung im Jahre 1953 und die Freistellung der Forstwirtschaft von der Umsatzsteuer sind auf dem Gebiet der Forstpolitik besonders hervorzuheben. Die großen Verdienste, die sich Professor Speer um die deutsche Forstwirtschaft allgemein erworben hat, wurden durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Forstwirtschaftsrates gewürdigt.

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