Prof. Dr. Dr. h. c. Gerhard Speidel

Am 11.10.1974 beglückwünschte Professor Mantel seinen Nachfolger mit folgenden Worten:
"Herr Professor Speidel, ich darf Sie zur Wahl zum Präsidenten beglückwünschen und Ihnen guten Erfolg in Ihrem Amt wünschen. Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates zu sein, ist kein leichtes Amt, es ist zwar ein Ehrenamt, aber stark mit Arbeit und Verantwortung belastet.
Sie bringen aber alle Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung dieses Amtes mit. Als langjähriger Vorsitzender des Betriebswirtschaftlichen Ausschusses haben Sie wichtige Aufgaben für den Forstwirtschaftsrat bereits vorzüglich erfüllt. Als führender Vertreter der Wirtschaftslehre bringen Sie die wissenschaftlichen Grundlagen mit, um die anstehenden Probleme zu lösen. Theorie und Praxis in Forstpolitik und Betriebswirtschaftslehre vereinigen sich in Ihnen zu einem universalen Ganzen. Die notwendigen Führungseigenschaften haben Sie schon in jungen Jahren in vielfältigen Positionen bewiesen.
Als Ordinarius an der Universität Göttingen seit 1957 und an der Universität Freiburg seit 1965 sowie durch zahlreiche Auslandstätigkeiten besitzen Sie den erforderlichen Überblick, um über die kleinen Alltagsfragen, die in der forstpolitischen Tagesarbeit auftreten, hinaus, die großen Ziele und Aufgaben zu erkennen und zu meistern. Nochmals allen Erfolg in Ihrer Arbeit."

Mantels Ausführungen können noch durch folgende biographische Angaben ergänzt werden.
Gerhard Speidel wurde am 28.12.1923 in Züllichau in der Mark Brandenburg geboren. Nach Beendigung der Wehrpflicht nahm er 1943 an der Universität Göttingen das Studium der Mathematik und Physik auf.


Nach Kriegsende wechselte er zum Studium der Forstwissenschaft, das er 1948 mit dem Diplom in Hann. Münden abschloss. 1952 promovierte er bei Prof. Dr. H. H. Hilf in Hamburg über das StückMasseGesetz in der Holzernte. Schon 1956 erfolgte die Habilitation in Hann. Münden mit dem Thema: "Die rechnerischen Grundlagen der Leistungskontrolle und ihre praktische Durchführung in der Forsteinrichtung". Ab 1953 leitete Professor Speidel das Referat Forsteinrichtung und Betriebswirtschaft der Landwirtschaftskammer Rheinland in Bonn, von wo er wie o.a. 1957 im Alter von 33 Jahren als ordentlicher Professor für Forstpolitik und Forstliche Betriebswirtschaftslehre an die Universität Göttingen berufen wurde. Speidel hat als Universitätsprofessor erfolgreiche Lehrbücher verfasst. Herauszuheben ist das Werk "Forstliche Betriebswirtschaftslehre", das 1967 erschien und die "Planung im Forstbetrieb", ein Standardwerk für Forsteinrichtung und andere Planungsbereiche von 1972. Am Ende des Sommersemesters 1985 musste sich Gerhard Speidel aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig von der Universität Freiburg emeritieren lassen.


Auch im außeruniversitären Bereich übernahm er einige Aufgaben, z.B. als Mitglied im Bewertungsbeirat beim Bundesminister für Finanzen. Die Beziehungen zum Ausland spielten für ihn eine sehr wichtige Rolle. Schon 1963 und 1964 war er im Auftrag der Food and Agriculture Organisation (FAO) Projektleiter für den Aufbau der ersten brasilianischen forstlichen Fakultät in Curitiba. Viele weitere Aufträge deutscher und internationaler Organisationen führten ihn immer wieder nach Lateinamerika, wo er als ausländischer Forstmann hohes Ansehen genoss. Äußere Zeichen dafür waren die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Curitiba und das KomturKreuz des brasilianischen Ordens Rio Branco 1984. Professor Gerhard Speidel starb am 02.11.1992 nach langer, schwerer Krankheit.

denlenfritptrues