Multifunktionale Forstwirtschaft schützt Artenvielfalt

Eine multifunktionale Forstwirtschaft schützt die Artenvielfalt im Wald.  Zusammenarbeit beschlossen.
 
Das Waldkunde-Institut Eberswalde untersuchte im Auftrag die Pflanzenarten- und Strukturvielfalt des Fürst Oettingen-Spielberg´schen Waldbesitzes in Bayern und Brandenburg. Auf der Grundlage von über 200 Probeflächen, die im zeitlichen Abstand von 25 Jahren vegetationsökologisch analysiert wurden, steht nun fest, dass die im Oettinger Wald praktizierte multifunktional nachhaltige Forstwirtschaft keinen Verlust an Pflanzenarten- und Strukturvielfalt bewirkte. Hingegen konnte durch die gute fachliche Praxis die gesamte genetische Vielfalt des nacheiszeitlichen Waldentwicklungsprozesses bewahrt (keine obligate Waldart ist verloren gegangen!) und sogar die durchschnittliche Pflanzenartenzahl auf den Probeflächen um über 30 % von 22 auf 29 erhöht werden. Darüber hinaus weist der Oettinger Wirtschaftswald im Vergleich zu den potenziellen natürlichen Waldvegetationsentwicklungen eine um den Faktor 2,7 erhöhte Anzahl von Ökosystemtypen und somit eine signifikant größere Strukturvielfalt auf, die wiederum die Voraussetzung für das zahlreichere Vorkommen von Sekundärproduzenten sowie Klein- und Großtieren der Landschaft ist.
Auf Einladung des Waldeigentümers, Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg, weilte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR), Georg Schirmbeck, am 09.01.2018 in Oettingen und bekam die Forschungsergebnisse vorgestellt. Schirmbeck seinerseits skizzierte die aktuelle Initiative des DFWR, den gegenwärtigen wissenschaftlichen Kenntnisstand über die Wirkung ordnungsgemäßer Forstwirtschaft auf die Biodiversität im Wald aufbereiten zu lassen und in den politischen wie gesellschaftlichen Diskurs zur Versachlichung der Argumentationsführung einzubringen. Hierfür vereinbarten beide Gesprächspartner ihre gegenseitige Unterstützung.
 
Zusatzinformation:
 
Im Rahmen der DFWR-Veranstaltungsreihe „Wald trifft Politik“ findet am 17.01.2018 im Deutschen Bundestag eine DFWR-Mitgliederversammlung zum Themenkomplex „Was kann nachhaltige Waldbewirtschaftung für den Klima- und Biodiversitätsschutz leisten?“ statt. Nach den Impulsvorträgen von Prof. Dr. Christian Ammer, Leiter der Abteilung Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen der Georg-August-Universität Göttingen, und Prof. Dr. Eduardo Rojas-Briales, ehem. Forstchef der FAO-Forstabteilung und Professor für Waldbau und Forstpflanzenzucht an der Universidad Politécnica de Valencia, soll gemeinsam und mit den Abgeordneten des Deutschen Bundestages diskutiert werden. Als besonderer Gast hat die Staatsministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken, ihr Kommen zugesagt.