Plattform Forst & Holz

Forst und Holz fordern gemeinsam mit dem WWF eine „Zukunftsoffensive Holzbau“

Berlin, 25.11.2016: Beim aktuellen Parlamentarischen Frühstück der Plattform Forst & Holz zu dem Thema „Bauen mit Holz“ überreichte deren Sprecher Steffen Rathke, der Politik fünf Forderungen, mit denen die Potenziale des Holzbaus künftig noch besser ausgeschöpft werden sollen. Die Forderungen umfassen die Erweiterung von Wohnraum in Ballungszentren, den Klimaschutz, die regionale Wertschöpfung, die Forschungsförderung sowie den Abbau rechtlicher Hemmnisse in bestehenden Gesetzen.

Zwei Referenten beleuchteten bei der Veranstaltung am 23. November 2016 im Reichstag unterschiedliche Aspekte des Holzbaus: Während Jörg-Andreas Krüger vom World Wide Fund For Nature (WWF) einen Schwerpunkt auf die Ökobilanz des Rohstoffes Holz sowie die Prämissen des Klimaschutzplanes legte, stellte Architekt Martin Seelinger die praktischen Aspekte und technischen Möglichkeiten des Bauens mit Holz vor. Die Beiträge wurden von den anwesenden Mitgliedern des Bundestages sowie den Vertretern der Forst- und Holzbranche positiv aufgenommen und entsprechende Lösungsansätze diskutiert.

Gerade mit Blick auf die Reduzierung der CO2-Emissionen kann das Bauen mit Holz einen entscheidenden Beitrag leisten. „Ohne Holzbau werden wir unsere Klimaschutzziele nicht erreichen“, so der Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Chris Kühn. „Wir brauchen endlich in Deutschland eine nationale Holzbaustrategie.“

In der Diskussion wurde darüber hinaus jedoch auch deutlich, dass die nachhaltige Forst- und Holzwirtschaft nicht nur einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leistet. Das Bauen mit Holz trägt dazu bei, zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern: vom Wohnraumbedarf über den Klimawandel bis hin zur Stärkung der ländlichen Räume durch das Cluster Forst und Holz.

„Letztlich stellt sich nicht die Frage, ob Holz eine größere Rolle spielt, sondern welche Rahmenbedingungen die deutsche Forst- und Holzwirtschaft benötigt, um die Potenziale des Holzbaus für die Zukunft zu erschließen“, so Steffen Rathke, Sprecher der Plattform Forst & Holz sowie Vizepräsident des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e. V.

Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e. V. bekräftigt, dass dafür ein bedarfsgerechtes Rohholzaufkommen sowie der Erhalt eines nennenswerten Anteils an Nadelholz Grundlagen für den langfristigen Erfolg sind. „Bewirtschaftete Wälder sind das Rückgrat der Klimaschutzleistungen der Forst- und Holzwirtschaft und ermöglichen eine unumstritten gute Treibhausgasbilanz für den weiteren Holzbau.“

Die Zukunftsoffensive Holzbau ist eine gemeinsame Initiative der Plattform Forst & Holz und dem WWF. Jörg-Andreas Krüger, Bereichsleiter Biodiversität des WWF dazu: „Alle gesellschaftlichen Ebenen sind gefordert, ressourcen- und klimaschonendes Bauen voranzubringen. Bestehende rechtliche Hemmnisse sollten daher schnellstmöglich abgebaut werden.“

Eine klimagerechte Politik sollte künftig nicht nur Energieeinsparung oder Wärmeeffizienz vorantreiben, sondern die gesamte Treibhausgasbilanz von Produkten (Product Carbon Footprint) betrachten. Ein Anfang wäre beispielsweise eine CO2-Einsparverordnung im Bausegment – denn hier ist Holz anderen Baumaterialien im wahrsten Sinne des Wortes „haushoch“ überlegen.

 

Zukunftsoffensive Holzbau

1.Wohnraum in Ballungszentren effektiv erweitern

Bauen mit Holz kann einen entscheidenden Beitrag leisten, das dringend benötigte Wohnraumangebot in Ballungsgebieten zu erweitern. Dabei ermöglichen ein hoher Vorfertigungsgrad der Bauelemente sowie das geringe Gewicht eine schnelle und effiziente Aufstockung und Nachverdichtung von Bestandsgebäuden in dicht besiedelten Gebieten. Darüber hinaus verfügen Holzgebäude von Natur aus über hervorragende Dämmeigenschaften, die bei der Wärmewende eine bedeutsame Rolle einnehmen können.

2.Klimaschutz und Ressourceneffizienz aktiv fördern

Eine langfristige Verwendung von Holz in Bauprodukten ist ein effektiver Weg eines nachhaltigen Klimaschutzes und einer effizienten Nutzung von Ressourcen: Als Baustoff ist Holz optimal in der Lage Kohlenstoff dauerhaft und langfristig zu speichern. Darüber hinaus können durch die Substitution energieintensiver Materialien, wie Stahl und Beton durch Holz der Primärenergieverbrauch und die CO2-Emissionen deutlich reduziert und damit ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz und Ressourcenproduktivität geleistet werden.

3.Regionale Wertschöpfung nachhaltig steigern

Das Cluster Forst und Holz nimmt in Deutschland eine bedeutende industrie- und strukturpolitische Rolle ein. Vorwiegend in ländlichen Regionen erwirtschaften mehr als 1,3 Mio. Beschäftigte in rund 185.000 Betrieben jährlich einen Gesamtumsatz von 180 Mrd. Euro. Der verstärkte Einsatz von Holz aus nachhaltig bewirtschafteten heimischen Wäldern für Bauprodukte würde im Sinne der Ressourceneffizienz ohne lange Transportwege damit entscheidend zur Entstehung neuer Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den ländlichen Regionen beitragen.

4.Gesetzliche Rahmenbedingungen dauerhaft verbessern

Das Bauen mit Holz wird entscheidend durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Ziel sollte es daher sein, den Holzbau als selbstverständliche und gleichberechtigte Möglichkeit zu den konventionellen Baumaterialien in der Musterbauordnung zu etablieren, in den Landesbauordnungen entsprechend zu verankern sowie deren Harmonisierung stetig voranzutreiben. Diese rechtliche Gleichstellung ist für die Entfaltung der Potenziale des Holzbaus eine entscheidende Voraussetzung.

5.Innovationsfähigkeit und Technologiekompetenz langfristig vorantreiben

Wissen, Innovationsfähigkeit und Technologiekompetenz sind die entscheidenden Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf dem internationalen Markt bestimmen. Um auch im Holzbau eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung von innovativen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen einzunehmen, ist die Förderung des Wissens- und Technologietransfers durch eine stärkere Verankerung des Holzbaus in Forschung, Ausbildung und Lehre ein zentrales Element.

Zusatzinformationen:

Die Plattform Forst & Holz wurde im Mai 2007 vom Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) und dem Deutschen Holzwirtschaftsrat (DHWR) ins Leben gerufen und vertritt die gesamte Holzwirtschaftskette vom Wald bis zum Endprodukt. Mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 181 Mrd. Euro, rund 128.000 Unternehmen und 1,1 Mio. Beschäftigten hat die holzbasierte Wertschöpfung einen hohen Stellenwert für die Wirtschaftskraft und die Beschäftigung in Deutschland und gilt als eine der Schlüsselbranchen insbesondere im ländlichen Raum.

Stärkung der deutsch-österreichischen Kooperation der Forst-, Holz- und Papierbranche. Präsident des DFWR hält Vortrag im Rahmen der Österreichischen Holzgespräche.

Berlin, den 21.11.2016: Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates [DFWR] und Vizepräsident der deutschen Plattform Forst und Holz, hat am 10. November 2016 in Salzburg an den 9. Österreichischen Holzgesprächen teilgenommen. Neben Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, war Schirmbeck der Einladung der österreichischen Kooperationsplattform Forst Holz Papier [FHP] gefolgt und referierte über die Vorbildfunktion der Forst-, Holz- und Papierbranche und hob deren Vorbildfunktion für andere Länder Mitteleuropas hervor.

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Zusätzliche Bundesmittel stärken Forst- und Holzwirtschaft ab 2017

Berlin, den 11.11.2016: Im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages wurde gestern die Steigerung der Bundesmittel für den Etat des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft [BMEL] beschlossen. Die Forst- und Holzbranche wird durch die zusätzlichen Mittel vor allem im Bereich der nationalen und internationalen nachhaltigen Wald- und Holzwirtschaft gestärkt. Darüber hinaus wird die institutionelle Förderung für die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald [SDW] ausgebaut, um insbesondere jungen Menschen den Wald und seine vielfältigen Funktionen näher zu bringen und der zunehmenden Entfremdung der Bevölkerung von der Primärproduktion entgegenzuwirken. Die zusätzlichen Personalstellen stärken zahlreiche Institutionen und Projektträger. Damit können hier zielgerichtet Forschungs- und Entwicklungsvorhaben unterstützt und ausgebaut werden.

Für die Forst- und Holzbranche kommt eine Erhöhung der Fördermittel für die nachhaltige nationale Waldwirtschaft genau richtig. Durch die Stärkung der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe [FNR] mit zusätzlich 4 Mio. Euro können 2017 weitere Projekte umgesetzt werden. Ziel wird es sein, durch Forschung, Entwicklung und Modellvorhaben die natürliche Produktionsgrundlage „Wald“ zu sichern, Lösungsansätze für das Spannungsfeld der verschiedenen Ansprüche an den Wald aufzuzeigen und innovative Verwendungsmöglichkeiten von Holz zu entwickeln. So kann der Wald für den Klimawandel „fit gemacht“ werden. Dabei stehen standortangepasste, strukturreiche und wuchskräftige Mischwaldbestände mit der Beteiligung von trockenresistenten Nadel- und Laubbaumarten im Vordergrund der Fördermaßnahmen.

Die Mittel für die Projektförderung im Bereich der internationalen nachhaltigen Waldwirtschaft werden um 1 Mio. Euro aufgestockt [6,5 Mio. €]. DFWR-Präsident Schirmbeck: „Weltweit genießt die deutsche Forstwirtschaft eine Vorbildfunktion. Um die globalen Herausforderungen zu meistern, den umfassenden Waldverlust zu stoppen und damit den folgenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, bedarf es  Initiativen und Anstrengungen. Wir müssen unser umfangreiches Wissen mit der Welt teilen und strategische Partnerschaften zum Erhalt und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder begründen. Das Signal des Bundestages, die Projektförderung in diesem Bereich auszubauen, begrüße ich daher sehr.“

Die im Haushalt 2017 vorgesehenen zusätzlichen Personalstellen werden beispielweise zur Umsetzung der Waldstrategie 2020 oder der EU-Holzhandelsverordnung eingesetzt. Auch wird im Bereich Pflanzenschutz und Pflanzengesundheit im Forst und zur Stärkung der Klimaschutzleistungen von Wäldern weiteres kompetentes Forstpersonal eingestellt, welches als Ansprechpartner, Multiplikator und Experten für die gesamte Branche fungiert.

„Mit den zusätzlichen Bundesmitteln wird die Forst- und Holzbranche nachhaltig gestärkt und deren Schlagkraft erhöht. Wir danken den beiden Berichterstattern der Großen Koalition, Cajus Caesar und Ulrich Freese für ihren Einsatz“, so Schirmbeck. „Gleichzeitig möchte ich die Forst- und Holzbranche aufrufen, Projekte zu initiieren, um unser Wissen weiter auszubauen und an Lösungen für die großen Herausforderungen zu arbeiten. Gemeinsam können wir viel erreichen, also packen wir es an.“ 

Faktenbasierten Klimaschutz mit Wald und Holz voranbringen!

Berlin, 03.11.2016: „Wir begrüßen die klare Haltung des Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt zum Klimaschutzplan 2050 [KSP] und stehen als Branche geschlossen hinter ihm. Ambitionierter Klimaschutz kann nicht unter unangemessenem Zeitdruck und ohne entsprechende Berücksichtigung umfassender wissenschaftlicher Erkenntnisse gelingen!“, so Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates [DFWR].

Der DFWR hat in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt darauf hingewiesen, dass die ambitionierten Klimaschutzziele von Paris für den Fortbestand unserer Wälder sowie eine lebenswerte Zukunft essentiell sind. Deshalb befürwortet der DFWR ausdrücklich die Initiative der Bundesregierung, den Klimaschutz als prioritäres Staatsziel im globalen Kontext zu verfolgen. Die Bundesregierung schafft damit die Grundlagen für eine nachhaltige Wald- und somit Gesellschaftsentwicklung. Der vom Bundesumweltministerium vorgelegte Entwurf des Klimaschutzplans 2050 lässt wesentliche Beitragsmöglichkeiten des waldbasierten deutschen Wirtschaftsclusters Forst & Holz jedoch unberücksichtigt.

Das Dokument ist somit nicht geeignet, dem Anspruch eines bundesdeutschen Leitbildes bzw. Maßstabes gerecht zu werden. Die gegenwärtigen Positionen widerstreben nicht nur vielfach den Klimaschutzzielen, sondern gefährden den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes als das für die Lebensraumsicherung und den Klimaschutz bedeutungsvollste Landökosystem.

„Wir haben dem Bundesumweltministerium unsere guten Argumente, die auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, an verschiedenen Stellen mitgeteilt. Wir wollen nicht Klimaschutz verhindern, sondern zusätzliche Klimaschutzpotentiale einbringen. Es scheint aber so, als wolle Umweltministerin Hendricks einen Klimaschutzplan ohne die Anhörung der Hauptbetroffenen verabschieden. Ich kann nur noch einmal an das Umweltministerium appellieren, den Alleingang zu beenden, unsere Argumente aufzunehmen und damit die Klimaschutzeffekte des Klimaschutzplans 2050 erheblich zu steigern. Dies wäre im Sinne  eines international beispielgebenden Klimaschutzes und damit einer nachhaltigen Entwicklung von Wald und Menschheit!“, so Präsident Schirmbeck weiter.

Weiterführende Informationen unter: http://dfwr.de/index.php/positionen

Präsident des DFWR ruft die Branche Forst und Holz zu Pflanzaktionen für 2017 auf

Seit dem 13. Oktober 2016 ist es offiziell, die Fichte ist der Baum des Jahres 2017. Damit wurde vom Kuratorium „Baum des Jahres“ erstmals der wichtigste Holzlieferant in Deutschland gewürdigt. Die Forstwirtschaft in Deutschland begrüßt diese Entscheidung. Die Fichte ist ein wichtiges Rückgrat für die heimische Forst- und Holzwirtschaft, sie schafft Arbeitsplätze im ländlichen Raum und trägt maßgeblich zum Klimaschutz bei. Gleichzeitig ist sie aber auch vom Klimawandel bedroht.

„Wir dürfen die Fichte nicht verlieren, sondern müssen ihren Anteil dauerhaft auf geeigneten Standorten und in der Mischung mit anderen Baumarten sichern“, warnt Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates. „Die Fichte ist eine Schlüsselbaumart für die nachhaltige Forst- und Holzwirtschaft und Identifikationsobjekt für ganze Regionen.“ Die Bereitstellung von nachwachsenden Rohstoffen, die – wie Fichtenholz – nicht aufwendig chemisch oder technisch verändert werden müssen, können fossile und energieintensive Rohstoffe ersetzen. Das schont das Klima und verheißt auch für nachkommende Generationen eine bessere Zukunft.

Georg Schirmbeck ruft deshalb zu Pflanzaktionen und zu Veranstaltungen rund um die Baumart Fichte auf. Im Rahmen des „Tag des Waldes“ am 21. März oder „Tag des Baumes“ am 25. April bieten sich solche öffentlichkeitswirksamen Aktionen im besonderen Maße an. Die Branche Forst und Holz soll sich bewusst zu der Baumart Fichte bekennen und sich entschieden gegen das teilweise negative Image der Fichte stellen, indem für ihren Anbau auf geeigneten Standorten geworben wird.

 

Zum Hintergrund:

Nach 27 Jahren ‚Baum des Jahres‘ wurde erstmalig die Fichte gewählt. Mit einem Anteil von 25 % an der Waldfläche ist sie häufigste Baumart Deutschlands. Wie keine andere Baumart polarisiert die Fichte. Ihr Anbau wird unter Forstleuten, Waldbesitzenden und Naturschützern seit Jahrzehnten stark diskutiert, nicht erst seit den Jahrhundertorkanen des Jahres 1990.

Die Beliebtheit des Fichtenholzes hängt bis zum heutigen Tag auch mit dessen Eigenschaften zusammen: Fichtenholz ist ein wahrer Alleskönner und es eignet sich hervorragend zum Bauen und Konstruieren. Der Großteil des Fichtenholzes wird, im Gegensatz zu anderen Baumarten, hauptsächlich zum Bauen von Häusern eingesetzt. Daraus ergibt sich ihre besondere Leistung für den Klimaschutz: Durch die Verwendung von Fichtenholz als Baustoff oder auch als Energieträger werden andere klimaschädliche Stoffe wie Stahl oder Öl eingespart. Insbesondere durch die Verarbeitung zu Dachstühlen, Fußböden oder Möbeln wird Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen und langfristig gebunden.

Die vielseitige Verwendung der Fichte in Verbindung mit ihrem schnellen Wachstum führen zu guten Erträgen der Waldeigentümer. Andererseits birgt der Anbau der Fichte in Reinbeständen auf ungeeigneten Standorten jedoch Gefahren durch Sturmschäden und Borkenkäferbefall. Deswegen setzt die Forstwirtschaft im Rahmen eines naturnahen Waldbaus seit Jahrzehnten auf die behutsame Umwandlung von reinen Fichtenwäldern in stabile Mischwälder. Anders als in der Landwirtschaft dauern diese Veränderungen aber, aufgrund des langsamen Wachstums der Bäume, viele Jahrzehnte.

 

Die Fichte:

In Deutschland kommt die Fichte, wissenschaftlicher Name Picea abies, von Natur aus in höheren Lagen der Mittelgebirge und den Alpen vor, wo sie oberhalb von 1.000 Metern auch oft natürliche Reinbestände bildet. Der gerade Stamm und der etagenweise Aufbau der Äste sind typisch für die Fichte. Die länglichen, braunen Zapfen hängen von den Zweigen herab und fallen im September zu Boden. Fichtennadeln sind spitz und stechen bei Berührung. Der Nähstoffbedarf der Baumart ist – bei guten Wuchsleistungen – gering. Stockt sie nicht standortgerecht, ist sie anfällig für Sturmwurf, Rotfäule und Borkenkäferschäden. Das Holz ist relativ leicht, fest und elastisch. Es eignet sich als Bauholz, für Möbel und als Rohstoff in der Papierindustrie. Seit knapp zwei Jahrhunderten prägt die Fichte den deutschen Wald. Ende des 18. Jahrhunderts war ein großer Teil der Wälder heruntergewirtschaftet, der Bedarf an Bauholz, Brennmaterial und Weidefläche groß. Die Fichte eignete sich als anspruchslose Baumart hervorragend zur Wiederaufforstung devastierter Standorte. Wo ursprünglich Laubwälder stockten, wuchsen bald reine Wälder aus gleichaltrigen Fichten heran, die große Mengen Holz lieferten.

Baum des Jahres 2017 - Die Fichte

Die Fichte ist Baum des Jahres 2017 – Vom Brotbaum zur bedrohten Art?

  • Fichte ist wichtigster Holzlieferant, Klimaschützer und gleichzeitig umstritten
  • Zukunft der Fichte durch den Klimawandel gefährdet

Berlin, 13.10.16: Die ‚Baum des Jahres - Dr. Silvius Wodarz Stiftung‘ hat die Fichte als Baum des Jahres 2017 ausgerufen. Damit wurde vom Kuratorium erstmals der wichtigste Holzlieferant in Deutschland gewürdigt. Die Forstwirtschaft in Deutschland begrüßt diese Entscheidung, denn sie schärft den Blick für den Spagat, vor dem die Forstleute stehen: „Selbstverständlich wird sich an der Baumart Fichte gerieben, weil sie in der Vergangenheit zum Teil nicht an den richtigen Orten gepflanzt wurde. Die Fichte ist ein wichtiges Rückgrat für die heimische Forst- und Holzwirtschaft, sie schafft Arbeitsplätze im ländlichen Raum und trägt maßgeblich zum Klimaschutz bei, ist aber gleichzeitig vom Klimawandel bedroht“, sagt Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates.

Nach 27 Jahren ‚Baum des Jahres‘ wird erstmalig die Fichte gewählt. Mit einem Anteil von 25 % an der Waldfläche ist sie häufigste Baumart Deutschlands. Wie keine andere Baumart polarisiert die Fichte. Ihr Anbau wird unter Forstleuten, Waldbesitzenden und Naturschützern seit Jahrzehnten stark diskutiert, nicht erst seit den Jahrhundertorkanen des Jahres 1990.

Dabei gilt die Fichte als Symbolbaum für eine gelungene Wiederbewaldung in Deutschland. Im Zuge der Wiedergutmachungs- und Schadenersatzleistungen nach den beiden Weltkriegen waren durch Zusatzhiebe und Mehreinschläge – so genannte „Reparationshiebe“ – in Deutschland riesige Kahlflächen entstanden. Beim Wiederaufbau unserer Wälder durch die deutsche Forstwirtschaft hat sich die Fichte seinerzeit große Verdienste erworben. Mit ihrer Hilfe konnten die kahlen Flächen zügig wiederbewaldet werden. Denn: Das Saatgut der Fichte war einfach und in großen Mengen zu gewinnen und somit ließen sich die dringend benötigten Pflanzen für die riesigen Kahlflächen einfach nachziehen.

Die Beliebtheit des Fichtenholzes hängt bis zum heutigen Tag auch mit dessen Eigenschaften zusammen: Fichtenholz ist ein wahrer Alleskönner und es eignet sich hervorragend zum Bauen und Konstruieren. Der Großteil des Fichtenholzes wird, im Gegensatz zu anderen Baumarten, hauptsächlich zum Bauen von Häusern eingesetzt. Daraus ergibt sich ihre besondere Leistung für den Klimaschutz: Durch die Verwendung von Fichtenholz als Baustoff oder auch als Energieträger werden andere klimaschädliche Stoffe wie Stahl oder Öl eingespart. Insbesondere durch die Verarbeitung zu Dachstühlen, Fußböden oder Möbeln wird Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen und langfristig gebunden.

Die vielseitige Verwendung der Fichte in Verbindung mit ihrem schnellen Wachstum führen zu guten Erträgen der Waldeigentümer. Andererseits birgt der Anbau der Fichte in Reinbeständen auf ungeeigneten Standorten jedoch Gefahren durch Sturmschäden und Borkenkäferbefall. Deswegen setzt die Forstwirtschaft im Rahmen eines naturnahen Waldbaus seit Jahrzehnten auf die behutsame Umwandlung von reinen Fichtenwäldern in stabile Mischwälder. Anders als in der Landwirtschaft dauern diese Veränderungen aber, aufgrund des langsamen Wachstums der Bäume, viele Jahrzehnte.

Da die Fichte gut bei niedrigeren Temperaturen und hohen Sommerniederschlägen wächst, hat sie ein großes Problem mit dem drohenden Klimawandel.

„Wir dürfen die Fichte nicht verlieren, sondern müssen ihren Anteil dauerhaft auf geeigneten Standorten und in der Mischung mit anderen Baumarten sichern“, warnt Schirmbeck. „Die Fichte ist eine Schlüsselbaumart für die nachhaltige Forst- und Holzwirtschaft und Identifikationsobjekt für ganze Regionen.“ Die Bereitstellung von nachwachsenden Rohstoffen, die – wie Fichtenholz – nicht aufwendig chemisch oder technisch verändert werden müssen, können fossile und energieintensive Rohstoffe ersetzen. Das schont das Klima und verheißt auch für nachkommende Generationen eine bessere Zukunft.

 

Hintergrundinformation

In Deutschland kommt die Fichte, wissenschaftlicher Name Picea abies, von Natur aus in höheren Lagen der Mittelgebirge und den Alpen vor, wo sie oberhalb von 1.000 Metern auch oft natürliche Reinbestände bildet. Der gerade Stamm und der etagenweise Aufbau der Äste sind typisch für die Fichte. Die länglichen, braunen Zapfen hängen von den Zweigen herab und fallen im September zu Boden. Fichtennadeln sind spitz und stechen bei Berührung. Der Nähstoffbedarf der Baumart ist – bei guten Wuchsleistungen – gering. Stockt sie nicht standortgerecht, ist sie anfällig für Sturmwurf, Rotfäule und Borkenkäferschäden. Das Holz ist relativ leicht, fest und elastisch. Es eignet sich als Bauholz, für Möbel und als Rohstoff in der Papierindustrie. Seit knapp zwei Jahrhunderten prägt die Fichte den deutschen Wald. Ende des 18. Jahrhunderts war ein großer Teil der Wälder heruntergewirtschaftet, der Bedarf an Bauholz, Brennmaterial und Weidefläche groß. Die Fichte eignete sich als anspruchslose Baumart hervorragend zur Wiederaufforstung devastierter Standorte. Wo ursprünglich Laubwälder stockten, wuchsen bald reine Wälder aus gleichaltrigen Fichten heran, die große Mengen Holz lieferten.

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