Nationaler Waldgipfel

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Es ist Zeit anzupacken!“

Berlin 26. September 2019: Bundesministerin Julia Klöckner hatte gestern (Mittwoch 25.9.) Fachleute, Wissenschaftler und Entscheidungsträger aus Bund und Ländern angesichts der aktuellen Waldschäden zum Nationalen Waldgipfel nach Berlin eingeladen. Bereits das Klimakabinett unterstrich in der vergangenen Woche in seinem Klimapaket, dass die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und die Holzverwendung ein enormes Klimaschutzpotenzial haben. „Dieses Potential müssen wir jetzt heben“, sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates im Rahmen des Nationalen Waldgipfels.

Schirmbeck wies darauf hin, dass ohne die Klimaschutzfunktionen des deutschen Waldes und des nachwachsenden Rohstoffes Holz die Klimaziele der Bundesregierung nicht zu erreichen sind. Der aktuelle Bericht des Weltklimarates lässt keinen Zweifel, dass wir schnell Maßnahmen für mehr Klimaschutz ergreifen müssen.

Die von Bundesministerin Klöckner bereitgestellten 547 Mio. Euro sind ein erster, wesentlicher Schritt. „Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald haben zwischenzeitlich enorme Schaddimension erreicht und wir müssen befürchten, dass sich die Situation weiter verschärft“, betonte Schirmbeck. Aktuelle Zahlen des BMEL beziffern die Schadfläche mittlerweile auf 180.000 Hektar, so viel wie zweimal die Fläche Berlins. „Mit der Schadholzmenge von 105 Mio. Kubikmeter Holz können bis zu fünf Mio. LKW beladen werden, die hintereinander gereiht zweieinhalb Mal um den Globus reichen“, erklärte Schirmbeck.

Schirmbeck: „Wieweit die von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten Mittel reichen wird die Zeit zeigen. Klar ist: je länger wir die dringend notwendigen Aktivitäten hinauszögern, umso teurer werden die notwendigen Maßnahmen.“ Vor diesem Hintergrund betonte Schirmbeck, dass es jetzt einer klugen und langfristigen Strategie bedarf, deren Finanzierung auch in künftigen Haushalten sichergestellt werden muss! Der Klimawandel und die Anpassung der Wälder werden Waldbesitzende und Forstleute noch Jahrzehnte beschäftigen. Sie stehen vor einer Generationenaufgabe, bei der sie unterstützt werden müssen!

Die zwei Millionen privaten, staatlichen und kommunalen Waldbesitzenden benötigen kurzfristig klare Aussagen der öffentlichen Hand, ob sie auf eine entschiedene unbürokratische Unterstützung vertrauen können. „Besonders die 96,5 Prozent kleinen Privatwaldbesitzer müssen motiviert werden ihre Wälder klima- und standortgerecht wieder zu bewalden, nach dem ihre finanziellen Reserven aufgezehrt sind“, betonte der DFWR-Präsident.

Schirmbeck erklärte, dass jetzt Bund und Länder gefordert seien zweckmäßige Maßnahmen auf die Fläche zu bringen. „Es ist Zeit anzupacken“, betonte der DFWR-Präsident.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat machte Vorschläge, wie den betroffenen Waldbesitzenden rasch geholfen werden kann.

Dazu zählen die Abschaffung des Grundbeitrages der Berufsgenossenschaft sowie die Abschaffung der Beitragspflicht für Forstflächen durch die Wasser- und Bodenverbände. Schirmbeck: “Diese beiden Maßnahmen sind kurzfristig möglich und entlasten vor allem die Kleinprivatwaldbesitzer, die wir in dieser schwierigen Zeit nicht verlieren dürfen!“

Mit Blick auf die Kleinprivatwaldbesitzenden schlägt der DFWR weiter vor, dass der Staat vor dem Hintergrund eines kollabierten Holzmarktes die Kosten für die Schadholzräumung übernimmt. Viele Waldbesitzenden haben keine Reserven mehr die Wiederbewaldung zu stemmen, deshalb muss auch sie komplett getragen werden, damit der Umbau in klimastabile standortgerechte Mischwälder nicht ins Stocken gerät. Vor diesem Hintergrund appellierte Schirmbeck an Bund und Länder. „Einige Länder müssen jetzt dringend ihre Förderpraxis überdenken und sie so gestalten, dass die bereitgestellten Mittel auch zeitnah abfließen können“, betonte Schirmbeck.

Kein Mischwald ohne angepasste Schalenwildbestände. Deshalb bittet Schirmbeck Bund und Länder, dort wo es Probleme gibt, auf die unteren Jagdbehörden einzuwirken, damit der neue Wald eine Chance hat zu wachsen. „Wir können die Verbiss-Probleme nur gemeinsam mit den Jägern lösen“, sagte der DFWR-Präsident.

Wald und Holz haben ein enormes Klimaschutzpotenzial und binden jährlich 127 Mio. Tonnen. Sie reduzieren die Co2-Emissionen Deutschlands um 14 Prozent. „Bauen mit Holz ist die wirksamste Möglichkeit CO2 langfristig aus der Atmosphäre zu verbannen. Die öffentlichen Bauherren müssen sich beispielhaft verhalten und viel mehr in Holz bauen“, fordert der DFWR-Präsident.

Schirmbeck: „Wenn es richtig ist, dass Verschmutzer der Atmosphäre Zertifikate kaufen müssen, dann müssen Waldbesitzende, die die Luft, das Wasser und den Boden verbessern und zusätzlich ihre Wälder für Freizeit, Sport und Erholung öffnen, einen finanziellen Ausgleich für diese Ökosystemleistungen erhalten. Deshalb müssen wir jetzt auch im Rahmen des Zertifikatehandels daran arbeiten den Beitrag des Waldes zur Bindung von CO2 aktiv zu unterstützen und weiter Anreize für die Anpflanzung und Bewirtschaftung von Wäldern zu setzen.“

Eine erfolgreiche Forstwirtschaft und ein gutes Klima sind nur zu erreichen, wenn auf allen Ebenen in Aus- und Fortbildung investiert wird und die sachlich notwendigen Planstellen in Wissenschaft, Forschung und forstwirtschaftlicher Praxis geschaffen werden.

 

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR)

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) gibt der Forstwirtschaft eine Stimme. Er ist die repräsentative Vertretung aller mit der Forstwirtschaft und dem Wald befassten Akteure in der Bundesrepublik Deutschland und setzt sich für die Interessen und Belange einer nachhaltigen Forstwirtschaft ein. Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet für den DFWR, dass Pflege und Bewirtschaftung der Wälder im Interesse ihres gesunden, stabilen und leistungsfähigen Zustandes, ihrer Multifunktionalität durch Nutzung, Schutz und Erholung und im Interesse der Landeskultur und des Umweltschutzes erfolgen – in der Gegenwart und in der Zukunft. Dies ist die Basis für rund zwei Millionen Waldbesitzende in Deutschland, die eine Waldfläche von 11,4 Millionen Hektar – das sind rund 32 Prozent des Bundesgebietes – bewirtschaften.

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Pressesprecher Sebastian Schreiber

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Tel.: 030-31904 560

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