Forststudium ist breit und zukunftsfähig aufgestellt

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Die Ökologie von Waldökosystemen ist schon lange ein fester Bestandteil der forstakademischen Ausbildung in Deutschland!“

 

 

                                                                                Berlin, 09. März 2021. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat unterstützt die heute veröffentlichte gemeinsame Erklärung neun forstlicher Hochschulen und Universitäten. Darin erklären sie, dass ein forstliches Studium in Deutschland alle Anforderungen abdeckt, die heute an die neue Generation Forstleute gestellt wird. „Die aktuelle forstliche Lehre beruht auf einem umfassenden Verständnis von Wäldern als komplexe Ökosysteme. Wer behauptet, die forstakademische Ausbildung beschränke sich rein auf die Anlage von „Holzäckern“, ohne die ökologischen Aspekte mit zu berücksichtigen, der ist nicht auf dem aktuellen Stand“, betont Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR). Durch den Klimawandel steigen die Anforderungen an die Expertise der angehenden Forstleute, um den Wald und seine vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft und die nachfolgenden Generationen zu erhalten. „Das forstliche Studium ist schon deshalb sehr breit und facettenreich angelegt. Wesentlich ist das Prinzip, dass Forschung und Lehre immer in einem ständigen wissenschaftlichen Diskurs stehen. Ideologien und populärwissenschaftliche Aussagen sind dort fehl am Platz, weil sie nicht zur Lösungsgestaltung beitragen“, betont Schirmbeck.

Der menschgemachte Klimawandel ist sehr komplex und wirkt sich unterschiedlich auf unsere Wälder und deren Bewirtschaftung aus. Die vielfältigen Leistungen der Waldbewirtschaftung für die Gesellschaft, die eine immer größere Rolle einnehmen, müssen dabei mitberücksichtigt werden. Klimaschutz und Biodiversitätsschutz sind in einem ganzheitlichen Ansatz zu betrachten. Biodiversitätsschutz ohne Klimaschutz ist nicht möglich. Diese Komplexität in einem sich ändernden Klima gilt es in der forstlichen Ausbildung aufzunehmen und die Ausbildung daran stetig weiter auszurichten. Wesentlich ist es dabei immer den Blick auf das große Ganze zu wahren und die Frage der Alternative hinsichtlich unseres gesellschaftlichen Ressourcenverbrauchs im Blick zu haben. Auf dem Weg raus aus dem fossilen in ein klimaneutrales Zeitalter gibt es nur eine Alternative: die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe, wie den nachwachsenden Rohstoff Holz, ergänzt durch einen effizienten Umgang mit unseren Rohstoffen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz tragen dabei wesentlich zum Klimaschutz und damit auch zum Biodiversitätsschutz bei.

Deutschland hat im globalen Maßstab mit die höchsten Standards und Anforderungen an die Waldbewirtschaftung. Wer heute Forstwirtschaft oder Forstwissenschaften studiert, erlernt wie nachhaltige, multifunktionale Waldwirtschaft mit der Natur funktioniert und praktisch umgesetzt wird. Schirmbeck: „Dabei spielen die Waldökologie und der Waldnaturschutz schon seit vielen Jahren eine wichtige Rolle!“ Bezeichnenderweise lautet der Titel eines Waldbau-Lehrbuchs, das erstmals in den 1930er-Jahren erschien: „Waldbau auf ökologischer Grundlage“. Seit dieser Zeit hat die Bedeutung der Ökologie für das Verständnis der Funktionalität von Wäldern ebenso zugenommen, wie die daraus abgeleiteten Erkenntnisse für die Waldbewirtschaftung und den Naturschutz. Bereits vor vielen Jahren wurden entsprechende Professuren eingerichtet und mit Fachleuten aus biologischen und ökologischen Fachdisziplinen besetzt. Die disziplinäre Breite ist ein wichtiges Merkmal für die forstlichen Studiengänge in Deutschland. „Nur so ist es möglich, dass die Absolventen später Verantwortung für die vielen verschiedenen gesellschaftlichen Ziele der Waldwirtschaft übernehmen können“, erklärt Schirmbeck. Dazu gehören ganz selbstverständlich der Erhalt der Biodiversität, des Waldnaturschutzes, und weitere wichtige Ökosystemleistungen der Wälder, jenseits der Bereitstellung von Holz.

Die Ökologisierung der Waldbewirtschaftung hat auch dazu beigetragen, dass alle Biodiversitätsindikatoren in Wäldern eine positive oder stabile Entwicklung verzeichnen, wie der Indikatoren-Bericht des Bundesamtes für Naturschutz oder die Ergebnisse der Bundeswaldinventuren regelmäßig belegen. Im Forststudium stehen Wald und die Beziehung des Menschen zum Wald im Mittelpunkt der Betrachtungen. Das Objekt Wald wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, um seine Komplexität und die vielfältigen an Wald gestellten gesellschaftlichen Anforderungen zu erfassen. Dabei spielt die Ökologie eine gleichwertige Rolle wie ökonomische, technische oder sozialwissenschaftliche Sichtweisen.

„Wald in Deutschland ist so vielfältig, wie seine Vielzahl an Waldbesitzenden“, erklärt Schirmbeck. Jetzt gilt es in einer Kraftanstrengung die Wälder weiter an den Klimawandel anzupassen und die Waldbesitzenden zu unterstützen, um die Folgen des menschgemachten Klimawandels zu bewältigen. „In den nächsten Jahren muss die Geschwindigkeit des Waldumbaus noch deutlich zunehmen, um klimastabile Mischwälder zu erhalten, die weiterhin vielfältige Leistungen für die Gesellschaft erbringen können. Abzuwarten, Nichtstun und Wälder stilllegen sind definitiv keine Lösungen! Das gilt besonders, wenn wir den Klimaschutz vorantreiben wollen und es ernst meinen mit dem Vorhaben aus dem fossilen Zeitalter auszusteigen, hin zur Klimaneutralität“, so Schirmbeck. Dazu werden gut ausgebildete Forstleute benötigt, die die gesamte Klaviatur eines naturnahen Waldbaus beherrschen und auch über den Tellerrand blicken“, betont der DFWR-Präsident.

Der Umgang mit Unsicherheiten, die sich durch den Klimawandel ergeben und den zum Teil widerstrebenden und steigenden Anforderungen der Gesellschaft an den Wald, bedeutet für die angehenden Forstleute von heute zu differenzieren, statt zu vereinfachen. Argumente auszutauschen und Respekt für unterschiedliche Meinungen zu haben, statt die eigene Auffassung zur einzigen Wahrheit zu erheben und erfordert ein Ringen um ausgewogene Lösungen was einfache Patentrezepte ausschließt.

Schirmbeck dankt den forstlichen Hochschulen und Universitäten, der Forstlichen Wissenschaft und akademische Lehre für ihre wertvolle Arbeit und für den hervorragend ausgebildeten Forstlichen Nachwuchs.

 

Weitere Informationen:

Gemeinsame Erklärung der Hochschulen und Universitäten mit forstlichen Studienangeboten in Deutschland finden Sie hier.

 

Schreiben der Plattform Forst und Holz an den Verlag Gruner & Jahr finden Sie hier.

 

Kontakt:
Deutscher Forstwirtschaftsrat e. V.
Geschäftsführer Franz Thoma
Pressesprecher Sebastian Schreiber
Claire-Waldoff-Straße 7
10117 Berlin
Tel.: 030-31904 560
Fax: 030-31904 564
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