Carlowitz-Dialog

Etwa 100 Interessierte folgten der Einladung zum Carlowitz-Dialog in das Foyer der Chemnitzer Stadthalle.

Der 5. März hat für Chemnitz eine besondere Bedeutung. An diesem Friedenstag wird der Opfer der Bombardierung im zweiten Weltkrieg gedacht. Gastgeber Dr. Füsslein von der Carlowitz-Gesellschaft e. V. erinnerte in seiner Eröffnung daran, dass für die Gesellschaft von heute die Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen ein Garant für Frieden ist.

Präsident Schirmbeck schilderte die aktuellen Auswirkungen des Klimawandels für den Wald, die Waldbesitzenden und die Forstleute. In der anschließenden Diskussion brachten die Gäste ihre Sorgen um den Wald zum Ausdruck und es wurde über verschiedene Lösungsansätze der Forstleute gesprochen.

Waldbesitzende und Forstleute nehmen die Jahrhundertaufgabe an, den Wald klimastabil und widerstandsfähig zu machen, damit wir auch in Zukunft einen Wald haben, der möglichst viele Funktionen erfüllen kann.

 

Carlowitz

Wer rettet das Klima?

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Wir können es uns nicht leisten, auf die CO2-Minderungspotenziale des Sektors Forst- und Holz zu verzichten!“

Das Bundeskabinett nahm am Mittwoch, den 6. Februar den Klimaschutzbericht 2018 an, aus dem hervorgeht, dass die festgelegten Ziele für den Klimaschutz 2020 um acht Prozent unterschritten werden.

„Wann fangen wir endlich an, Klimaschutz ernst zu nehmen,“ fragte besorgt Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e. V. in Berlin.  „Das letzte Jahr hat nachdrücklich gezeigt, welche verheerenden Folgen der Klimawandel für Wald und Waldbesitzende haben. Über 70 Millionen Kubikmeter Schadholz in Europa und Schäden in Milliardenhöhe sind eine erste Bilanz, die uns konkret beunruhigen. Denn: Was die Menschen bereits heute erleben, ist eine rasche Veränderung ihres gewohnten Umfeldes und Landschaftsbildes. Damit verbunden sind Einschränkungen im Erholungswert sowie der zeitweise Verlust weiterer Schutzeigenschaften des Waldes. Das könnte sich 2019 nahtlos fortsetzen, wenn sich unsere Prognosen bestätigen“, warnte Schirmbeck. 

„Wir begrüßen es daher ausdrücklich, dass die Autoren des Berichtes die Klimaschutzleistungen des Forst- und Holzsektors gegenüber dem Entwurf vom Herbst 2018 berichtigt haben“, betonte der DFWR-Präsident. Die CO2-Senkenleistung des Waldes durch nachhaltige Waldbewirtschaftung werde ebenso anerkannt, wie das CO2-Minderungspotenzial der Holzverwendung. „In Anbetracht der verfehlten Klimaschutzziele 2020 können wir es uns nicht leisten, auf diese Effekte zu verzichten“, betonte Georg Schirmbeck. Der DFWR werde auch künftig die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung kritisch begleiten und sich dafür einsetzen, dass die Klimaschutzleistungen des Forst- und Holzsektors darin angemessen berücksichtigt werden. 

„Wald und Forstwirtschaft sind in Bezug auf die Folgen des Klimawandels Opfer und Retter zugleich. Deshalb ist einerseits eine ambitioniertere Klimaschutzpolitik für Wald und Gesellschaft überlebensnotwendig“, betonte Schirmbeck. Wald und Waldbesitzende tragen andererseits selbst in erheblichem Maße zum Klimaschutz bei. Schirmbeck: „Der deutsche Wald sowie seine nachhaltige Nutzung spart jährlich rund 14 Prozent der nationalen CO2-Emissionen ein.“  Waldbesitzende und Forstleute stellen sich jeden Tag der Verantwortung, den Wald zu pflegen, in dem sie Holz ernten. Schirmbeck weiter: „Nur so ist es ihnen möglich, den Wald unserer Vorfahren weiter in klimaflexible, widerstandsfähige Mischwälder umzubauen. Mit nachhaltiger Waldwirtschaft gewährleisten sie, dass die Senkenleistung des Waldes nicht abreißt und sich die Gesellschaft auf die vielfältigen Waldfunktionen auch morgen noch verlassen kann. Vor diesem Hintergrund sollten Politik und Gesellschaft kritisch hinterfragen, ob beispielsweise das unreflektierte Stilllegen von Wald sinnvoll ist.“

„Waldbesitzende und Forstbetriebe in Deutschland benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, die sie bei der Bewältigung der Jahrhundertaufgabe unterstützen“, betonte der DFWR-Präsident.

Olivenbäume für den deutschen Wald?

Gemeinsame Pressemitteilung des DFWR und DBV

DFWR- und DBV-Veranstaltung auf IGW:

Forstwirtschaft und Klimawandel – Konsequenzen aus dem Dürresommer 2018
 
Nach der verheerenden Trockenheit des Sommers 2018 ist es auch im deutschen Wald und bei den
Jungbäumen zu teilweisen erheblichen Ausfällen gekommen. Die damit verbundenen Vermögensverluste
sind enorm. Durch die großen Mengen an Schadholz sind die Holzpreise „im Keller“. Besonders viele
Kleinwaldbesitzer könnten die Motivation für ihre Waldbewirtschaftung verlieren. Bund und Länder sind
daher gefordert, deutliche Zeichen der Ermutigung zu setzen. Die Diskussion um klimafeste Baumarten
muss offen und ideologiefrei geführt werden. Auch ist die Wissenschaft mehr denn je zu der Frage
gefordert, „welchen Wald wir brauchen“. Anders als in der Landwirtschaft ist das Pflanzen von
Waldbäumen eine Entscheidung für ein oder mehrere Generationen. Das sind die Ergebnisse einer
gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) und des Deutschen
Bauernverbandes (DBV) auf der Internationalen Grünen Woche (IGW). 

 „Die letzten 15 Monate brachten Winter- und Herbststürme, immense Trockenheit und Borkenkäfer in
einem Ausmaß, wie wir es noch nicht kannten“, fasste DFWR-Präsident Georg Schirmbeck die Situation
der deutschen Forstwirtschaft zusammen und verwies auf die damit verbundene prekäre Lage auf dem
Holzmarkt. Aber nicht nur die Waldbesitzenden selbst haben mit Vermögensverlusten zu kämpfen, auch
die Forstbaumschulen, die das wichtige Pflanzgut für die folgende Waldgeneration erzeugen, leiden unter
der Situation. Einerseits, weil auch sie trockenheitsbedingt nur wenig Pflanzen auf den Markt bringen
konnten, andererseits, weil durch das trockene Wetter die Nachfrage seitens der Waldbewirtschafter
gebremst war.  

In der Forstwirtschaft gilt es schon seit geraumer Zeit, Konsequenzen aus der zunehmenden
Klimaerwärmung und der Häufung von Extremwetterlagen zu ziehen. Von daher waren sich die
Diskutanten darin einig, das Potenzial der gesamten Baumartenpalette ausschöpfen zu müssen. Georg
Schirmbeck: „Anders als in der Landwirtschaft wirken sich im Wald Fehler bei der Pflanzenwahl über lange
Zeit aus, die Waldbesitzenden brauchen also jetzt die Möglichkeit, Bäume zu pflanzen, die auch mit den
künftigen Klimabedingungen zurechtkommen“. „Wenn es wärmer wird, kommt der Olivenbaum ohnehin
in 1000 Jahren zu uns“, veranschaulichte VDF-Geschäftsführer Alain Paul die Situation.

Der Wald ist auch in der Jugend en vogue. Das versucht SDW-Bundesgeschäftsführer Christoph Rullmann
zu nutzen, um die Folgen des Klimawandels für den Wald Kindern und Jugendlichen bewusst zu machen.
Die kommende Generation müsse den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Wälder erkennen und
verinnerlichen, wofür „Klimaschutz auch vor unserer Haustüre“ gut ist.
 
Weitere Informationen:
 
Der Deutsche Bauernverband (DBV) ist die Interessenvertretung der Landwirte in Deutschland. Der DBV ist
parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Über 90 Prozent der rund 300.000 landwirtschaftlichen
Betriebe in Deutschland werden über die regionalen Bauernverbände im Deutschen Bauernverband
vertreten. Gute die Hälfte der deutschen Landwirte bewirtschaftet auch Wald. 
 

Parlamentarische Veranstaltung „Wald trifft europäische Politik“

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Der Weg aus dem Klimawandel führt
in den europäischen Wald!“


Am Mittwoch (16.1.) trafen sich im Bundestag auf Einladung des Deutschen Forstwirtschaftsrates
zahlreiche Abgeordnete und Vertreterinnen und Vertreter der Forstbranche
zur Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Wald trifft Politik“. Besprochen wurden drängende
Themen zur Lage des Waldes: Klimawandel, Förderung, Bioökonomie, Eigentum,
Digitalisierung und Ausbildung.

„Es freut mich sehr, dass so viele hochrangige Vertreter unserer europäischer Nachbarn
den Weg nach Berlin auf sich genommen haben, um mit uns über Wald, Holz und
Klima in Europa zu diskutieren“, begrüßte DFWR-Präsident Georg Schirmbeck die
Gäste, darunter Delegationen aus Finnland, Österreich und Russland. „Die Folgen des
Klimawandels für den Wald machen nicht an Ländergrenzen halt. Deshalb nehmen die
Waldbesitzenden in ganz Europa diese Herausforderung an und stehen zusammen, um
die Jahrhundertaufgabe zu bewältigen“, betonte Schirmbeck.

Waldministerin Julia Klöckner begrüßte die Anwesenden per Videobotschaft. Sie hob
die besondere Bedeutung der Wälder für Klima und Gesellschaft hervor. Klöckner
stellte eine Erhöhung der Bundesmittel zur Bewältigung der dramatischen aktuellen
Waldschäden in Aussicht, die Evaluation sei im Gange. Das Bundesfinanzministerium
sei ebenfalls involviert und würde über Steuererleichterungen für Waldbesitzende beraten.
Diese Ankündigungen bekräftigten die Anwesenden Alois Gerig, Vorsitzender des
Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im deutschen Bundestag, sowie Dr.
Axel Heider, Leiter der Unterabteilung für Wald, Jagd und Forstpolitik im Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Ein Highlight der Veranstaltung war der Besuch des finnischen Forstministers Jari
Leppä. Er verkündete unter großer Zustimmung und Szenenapplaus seine Pläne für die
finnische EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Hälfte dieses Jahres: Eine umfassende
Förderung der Bioökonomie mit Fokus auf innovative Holzverwendungen als wichtigen
Schritt zur CO2-neutralen Gesellschaft.

Rudolf Rosenstatter, Vorsitzender der österreichischen Kooperationsplattform Forst
Holz Papier, schloss sich an. Die Länder in Zentral- und Nordeuropa hätten sowohl eine
hervorragende forstwirtschaftliche Tradition als auch große technologischen Fähigkeiten
und deshalb eine weltweite Verantwortung zur Weiterentwicklung des Rohstoffs
Holz. So könnte gleichzeitig sowohl die Zukunft der Wirtschaft gewährleistet als auch
der Lebensraum der Menschen sowie das Klima geschützt werden.

„Der Weg aus dem Klimawandel führt in den europäischen Wald. Den Auswirkungen
auf Wald, Waldbesitzende und Forstbetriebe kann nur gemeinsam begegnet werden“,
betonte Georg Schirmbeck. „Die etablierte Zusammenarbeit mit unseren Partnern in
Europa bietet dafür eine gute Basis“, lobte Schirmbeck. „Unser Wald und seine Bewirtschafter
haben im Klimawandel eine Doppelrolle: Einerseits sind sie Klimaschützer
durch die jährliche Reduzierung der deutschen CO2-Emissionen um 14 Prozent, andererseits
Leidtragende des Extremwetters“, erklärte der DFWR-Präsident. Er schilderte
seine persönliche Betroffenheit durch Käferschäden im Familienwald. “Wir müssen uns
um die kleinen Waldbesitzenden kümmern, damit sie unter solchen Umständen die Lust
an der Forstwirtschaft nicht verlieren. Das könnte unabsehbare Konsequenzen für
Wald, Klima und Gesellschaft haben“, warnte Schirmbeck. „Die Bewältigung des Klimawandels
und der Erhalt des Waldes ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, in der
sich auch die Bundesregierung stärker mit finanziellen und strukturellen Maßnahmen
engagieren muss“, betonte der DFWR-Präsident.

Aus Russland traten gleich zwei Delegationen auf. Svetlana Maksimova, Abgeordnete
der Staatsduma für die Region Twer sowie Vizepräsidentin des Russischen Bauernverbands,
hob die Bedeutung von Zusammenarbeit mit Deutschland und Finnland in der
Land- und Forstwirtschaft hervor. Vitalii Snesar, Vertreter der Region Altai, erläuterte
die dortigen Anstrengungen zum Erhalt von eiszeitlichen Reliktwäldern. „Ihr Besuch
setzt ein deutliches Zeichen für die Kooperation mit der Forstwirtschaft in Deutschland“,
begrüßte Schirmbeck die weitgereisten Gäste.

Im Anschluss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich über Wald und Klimawandel
auszutauschen. Der parlamentarische Staatssekretär Norbert Barthle aus dem
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung dankte den Anwesenden
für ihren unermüdlichen Einsatz für den Klimaschutz und hob die Vorbildfunktion
der deutschen Forstwirtschaft für die Welt hervor, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit
niederschlage. Mehrere Teilnehmer meldeten sich, um die Rolle des
Eigentums als Garant von Freiheit und nachhaltiger Bewirtschaftung hervorzuheben.
Georg Schirmbeck: „Staat und Gesellschaft müssen sich stärker für den Kleinprivatwald
interessieren und ihn zweckmäßig fördern“. Ebenfalls thematisiert wurde die Zukunft
von Berufen der Forstwirtschaft. Es bestand Konsens, dass die zunehmende Automatisierung
den Menschen auch auf längere Sicht angesichts der Komplexität forstlicher
Aufgaben nur ergänzen, nicht ersetzen kann. Deswegen und aufgrund des vielerorts
anstehenden Generationswechsels würden viele neue interessante Stellen in den grünen
Berufen frei. „Die deutsche Forstwirtschaft braucht für den Waldumbau im Klimawandel
qualifizierten Nachwuchs. Der DFWR setzt sich dafür ein, dass die Qualität der
forstlichen Ausbildung sichergestellt wird und die jungen Leute im Anschluss attraktive
Jobs in der Forst- und Holzbranche bekommen können“, betonte Georg Schirmbeck.

„Wir können nur hoffen, dass es in den nächsten beiden Jahren in Berlin viel regnen wird!“

Deutscher Forstwirtschaftsrat äußert sich zu Zustand der Berliner Wälder


Am Dienstag, dem 18.12., stellte der Berliner Umweltstaatssekretär Stefan Tidow den Waldzustandsbericht des Landes Berlin 2018 vor. Georg Schirmbeck, Präsident des deutschen Forstwirtschaftsrats, lobte die Anstrengungen zum Waldumbau, die sich darin zeigen. „Der Bericht zeigt deutlich, dass eine Mischung von Laubbäumen mit Nadelbäumen der einzige Lösungsansatz in diesen für die Wälder schweren Zeiten ist. Mich freut, dass die Kiefer für die meisten Berliner Standorte immer noch gut geeignet zu sein scheint: Trotz des extrem trockenen Jahres 2018 gibt es bei ihr bisher nur geringe Schäden“, so Schirmbeck.


Schirmbeck sieht den nächsten Jahren besorgt entgegen: „Die Daten des Jahres 2017 zeigen uns die Spätfolgen der Trockenjahre 2015 und 2016. Ähnlich werden wir die Folgeschäden des noch trockeneren Jahres 2018 auch erst in den nächsten Jahren sehen. Das eine feuchte Jahr 2017 hat zur Erholung der Bäume nicht ausgereicht.“ Er sei oft in der Hauptstadt, hat aber andere Wünsche für das Wetter als die meisten Stadtbewohner: „Wir können nur hoffen, dass es in den nächsten beiden Jahren in Berlin viel regnen wird!“


Schirmbeck teilt die Bestürzung des Herrn Staatssekretär Tidow, dass 75 % der im Herbst 2017 neu gepflanzten 385.000 Bäumchen vertrocknet sind. Die Reaktion der Berliner Forste, nächstes Jahr 300.000 neue zu setzen, sei genau richtig: „Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen! Sobald das Frühjahr anbricht, müssen wir raus auf die Fläche, neu pflanzen und auf Regen hoffen. Nur so kann der Umbau zum klimaplastischen Mischwald gelingen!“