Wald und Wasser

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Etwa 70 Prozent des deutschen Trinkwassers stammen aus Waldgebieten. Deshalb sollte nicht nur am Tag des Wassers die Waldarbeit besonders wertgeschätzt werden und Waldbesitzende und Forstleute bei ihrer Arbeit mehr Unterstützung und Hilfen von Politik und Gesellschaft erfahren!“

Welche Bedeutung Wasser für den Wald hat, haben Waldbesitzende und Forstleute im Dürresommer 2018 erfahren. „Neben der Einbeziehung sich natürlich verjüngender Altbäume und deren Sämlinge wurden in den letzten drei Jahren über eine Milliarde Pflanzen durch die Forstbetriebe gepflanzt. Davon vertrockneten im letzten Jahr rund 30 Prozent aufgrund der langanhaltenden Dürre. Die Nachpflanzung wird die Waldbesitzenden wohl eine halbe Milliarde Euro kosten“, sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates anlässlich des Tag des Wassers (22.3.) in Berlin.

Wald und Wasser beeinflussen sich auf vielfältige Weise gegenseitig. An einem warmen Sommertag verdunstet beispielsweise ein Hektar Buchenwald etwa 40.000 bis 60.000 Liter Wasser. Die wichtigsten Schutzfunktionen des Waldes beziehen sich auf Wasser. „Der Wald wirkt wie ein Schirm, ein Filter und ein Schwamm – er ist der größte Süßwasserspeicher der Erde“, betonte Schirmbeck.

Das Kronendach des Waldes fängt einen Teil des Niederschlags und mit ihm kleine Schmutzpartikel auf und verdunstet Regenwasser in die Luft. Auf diese Weise reinigt der Wald Luft und Niederschlagswasser. Außerdem hält er dadurch die Umgebungsluft feucht und wirkt ausgleichend auf das Kleinklima. Im Klimawandel sind diese Effekte von besonderer Bedeutung für das Waldwachstum und die Entwicklung des Landschaftsbildes.

„Etwa 70 Prozent des deutschen Trinkwassers stammen aus Waldgebieten“, erklärte Schirmbeck. Waldbesitzende und Forstleute seien sich seit Generationen dieser Verantwortung bewusst. Heute fordere der Klimawandel sie besonders, weil sie viele Schadflächen rasch wieder mit Bäumen zu bepflanzen haben, die an den Boden angepasst sind und künftige Klimabedingungen verkraften müssen. Schirmbeck: „Sie machen mit ihrer Arbeit den Wald widerstandfähiger gegenüber Umwelteinflüssen und tragen maßgeblich zum Erhalt des Waldkulturerbes bei.“ Das ist eine Leistung, die für die Gesellschaft essenziell sei.

„Deshalb sollte nicht nur an so einem Tag die Waldarbeit besonders wertgeschätzt werden und Waldbesitzende und Forstleute bei ihrer Arbeit mehr Unterstützung und Hilfen von Politik und Gesellschaft erfahren“, betonte der DFWR-Präsident.

Klimawandel fordert die Erben des Oberberghauptmannes von Carlowitz heraus

 

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir unser Waldkulturerbe verlieren!“

Der sächsische Oberberghauptmann Hans von Carlowitz hat für die Forstwirtschaft in Deutschland eine besondere Bedeutung. Vor über 300 Jahren begründete er das Prinzip der Nachhaltigkeit. „Damit schuf er den Markenkern, der die deutsche Forstwirtschaft bis heute auszeichnet und sich zu einem Exportschlager entwickelt hat. Waldbesitzende und Forstleute nutzen nicht mehr Holz, als nachwächst. Dieser Grundsatz ist ihre DNA und zugleich Berufsethos“, sagte Georg Schirmbeck am Mittwoch (6. März) bei einer Kranzniederlegung auf Burg Rabenstein in Chemnitz, anlässlich des 305. Todestages des Oberberghauptmannes von Carlowitz.
 
Die Forstwirtschaft von heute steht vor vergleichbar großen Herausforderungen, wie von Carlowitz seinerzeit. Die Folgen des Klimawandels haben Waldbesitzende und Forstleute vor allem im letzten Jahr zu spüren bekommen. „Die Schäden in den Wäldern Sachsens und darüber hinaus auch in vielen weiteren Regionen Deutschlands übertreffen die Schäden, die das Waldsterben vor 35 Jahren forderte, wir stehen vor einer Mammutaufgabe“, sagte Thomas Schmidt, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft. Bestätigen sich die Prognosen, dann könnte sich diese Entwicklung im Jahr 2019 nahtlos fortsetzen.  
 
„Die Forstwirtschaft hat im Klimawandel eine schwierige Doppelrolle: sie ist Opfer und Retter zugleich. Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald mit Sturm-, Dürre,- und Borkenkäferschäden treffen die Forstwirtschaft schwer. Andererseits stellen sich Waldbesitzende und Forstleute der Jahrhundertaufgabe und überlassen es nicht dem Zufall, den Wald stabil und zukunftssicher zu machen“, betonte Minister Schmidt. Die aktuelle Situation fordere ein hohes Engagement und den gesamten Sachverstand der Branche auf allen Ebenen heraus.  
 
„Der Wald in Deutschland ist ein besonderes Kulturerbe, um das uns die Welt bewundert und den Waldbesitzende und Forstleute für die Gesellschaft seit Generationen pflegen. Dieses Kulturerbe ist in Gefahr und wir müssen heute alles daransetzen, dass wir es nicht verlieren“ betonte Schirmbeck.  

„In diesem Sinne ist von Carlowitz aktueller denn je, sagt Dr. Dieter Füsslein von der Carlowitz-Gesellschaft. „Unser Verein kümmert sich um das geistige Erbe von Carlowitz. Wir wollen der Nachwelt nicht nur das Andenken an eine große Persönlichkeit vermitteln, sondern vor allem die Bedeutung seines Verdienstes für die Gesellschaft von heute herausstellen. Die Waldfläche in Deutschland zum Beispiel hat sich seit dem Wirken von von Carlowitz verdoppelt“, betonte Dr. Füsslein.  

Minister Schmidt: „Wir müssen und werden den Umbau der sächsischen Wälder in klimastabile und anpassungsfähige  Wälder weiter vorantreiben. Das erfordert umfangreiches Fachwissen, waldbauliches Geschick, Geduld aber insbesondere finanzielle und personelle Ressourcen. Da sind wir in Sachsen gut aufgestellt.“

DFWR-Präsident Schirmbeck stimmt dem Minister zu: „Diese Forderung lässt sich auf die Forstwirtschaft in ganz Deutschland übertragen. „Das ist nicht selbstverständlich und kein Selbstläufer, betont Schirmbeck. „Dafür benötigt die Forstwirtschaft in Deutschland dringend ausreichend und gut ausgebildetes Personal, auskömmliche Rahmenbedingungen sowie eine engagierte Forstpolitik,“ forderte Schirmbeck. Es dürfe nicht sein, dass beim Forstpersonal in den Ländern immer zuerst der Rotstift angesetzt werde, um die Haushalte zu sanieren.  
Gleichzeitig müsse sich die Branche noch stärker mit den Akteuren in Europa und weltweit vernetzen, weil der Klimawandel keine Grenzen kenne. „Der Deutsche Forstwirtschaftsrat wird sich deshalb auch stärker für eine gemeinsame europäische Forstpolitik engagieren, zum Beispiel im Rahmen der Waldstrategie für Europa“, betonte Schirmbeck.

 

Hier finden Sie einen Fernsehbeitrag von Sachsen Fernsehen zu dieser Veranstaltung.

Carlowitz-Dialog

Etwa 100 Interessierte folgten der Einladung zum Carlowitz-Dialog in das Foyer der Chemnitzer Stadthalle.

Der 5. März hat für Chemnitz eine besondere Bedeutung. An diesem Friedenstag wird der Opfer der Bombardierung im zweiten Weltkrieg gedacht. Gastgeber Dr. Füsslein von der Carlowitz-Gesellschaft e. V. erinnerte in seiner Eröffnung daran, dass für die Gesellschaft von heute die Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen ein Garant für Frieden ist.

Präsident Schirmbeck schilderte die aktuellen Auswirkungen des Klimawandels für den Wald, die Waldbesitzenden und die Forstleute. In der anschließenden Diskussion brachten die Gäste ihre Sorgen um den Wald zum Ausdruck und es wurde über verschiedene Lösungsansätze der Forstleute gesprochen.

Waldbesitzende und Forstleute nehmen die Jahrhundertaufgabe an, den Wald klimastabil und widerstandsfähig zu machen, damit wir auch in Zukunft einen Wald haben, der möglichst viele Funktionen erfüllen kann.

 

Carlowitz

Wer rettet das Klima?

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Wir können es uns nicht leisten, auf die CO2-Minderungspotenziale des Sektors Forst- und Holz zu verzichten!“

Das Bundeskabinett nahm am Mittwoch, den 6. Februar den Klimaschutzbericht 2018 an, aus dem hervorgeht, dass die festgelegten Ziele für den Klimaschutz 2020 um acht Prozent unterschritten werden.

„Wann fangen wir endlich an, Klimaschutz ernst zu nehmen,“ fragte besorgt Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e. V. in Berlin.  „Das letzte Jahr hat nachdrücklich gezeigt, welche verheerenden Folgen der Klimawandel für Wald und Waldbesitzende haben. Über 70 Millionen Kubikmeter Schadholz in Europa und Schäden in Milliardenhöhe sind eine erste Bilanz, die uns konkret beunruhigen. Denn: Was die Menschen bereits heute erleben, ist eine rasche Veränderung ihres gewohnten Umfeldes und Landschaftsbildes. Damit verbunden sind Einschränkungen im Erholungswert sowie der zeitweise Verlust weiterer Schutzeigenschaften des Waldes. Das könnte sich 2019 nahtlos fortsetzen, wenn sich unsere Prognosen bestätigen“, warnte Schirmbeck. 

„Wir begrüßen es daher ausdrücklich, dass die Autoren des Berichtes die Klimaschutzleistungen des Forst- und Holzsektors gegenüber dem Entwurf vom Herbst 2018 berichtigt haben“, betonte der DFWR-Präsident. Die CO2-Senkenleistung des Waldes durch nachhaltige Waldbewirtschaftung werde ebenso anerkannt, wie das CO2-Minderungspotenzial der Holzverwendung. „In Anbetracht der verfehlten Klimaschutzziele 2020 können wir es uns nicht leisten, auf diese Effekte zu verzichten“, betonte Georg Schirmbeck. Der DFWR werde auch künftig die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung kritisch begleiten und sich dafür einsetzen, dass die Klimaschutzleistungen des Forst- und Holzsektors darin angemessen berücksichtigt werden. 

„Wald und Forstwirtschaft sind in Bezug auf die Folgen des Klimawandels Opfer und Retter zugleich. Deshalb ist einerseits eine ambitioniertere Klimaschutzpolitik für Wald und Gesellschaft überlebensnotwendig“, betonte Schirmbeck. Wald und Waldbesitzende tragen andererseits selbst in erheblichem Maße zum Klimaschutz bei. Schirmbeck: „Der deutsche Wald sowie seine nachhaltige Nutzung spart jährlich rund 14 Prozent der nationalen CO2-Emissionen ein.“  Waldbesitzende und Forstleute stellen sich jeden Tag der Verantwortung, den Wald zu pflegen, in dem sie Holz ernten. Schirmbeck weiter: „Nur so ist es ihnen möglich, den Wald unserer Vorfahren weiter in klimaflexible, widerstandsfähige Mischwälder umzubauen. Mit nachhaltiger Waldwirtschaft gewährleisten sie, dass die Senkenleistung des Waldes nicht abreißt und sich die Gesellschaft auf die vielfältigen Waldfunktionen auch morgen noch verlassen kann. Vor diesem Hintergrund sollten Politik und Gesellschaft kritisch hinterfragen, ob beispielsweise das unreflektierte Stilllegen von Wald sinnvoll ist.“

„Waldbesitzende und Forstbetriebe in Deutschland benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, die sie bei der Bewältigung der Jahrhundertaufgabe unterstützen“, betonte der DFWR-Präsident.