Klimawandel fordert die Erben des Oberberghauptmannes von Carlowitz heraus

 

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir unser Waldkulturerbe verlieren!“

Der sächsische Oberberghauptmann Hans von Carlowitz hat für die Forstwirtschaft in Deutschland eine besondere Bedeutung. Vor über 300 Jahren begründete er das Prinzip der Nachhaltigkeit. „Damit schuf er den Markenkern, der die deutsche Forstwirtschaft bis heute auszeichnet und sich zu einem Exportschlager entwickelt hat. Waldbesitzende und Forstleute nutzen nicht mehr Holz, als nachwächst. Dieser Grundsatz ist ihre DNA und zugleich Berufsethos“, sagte Georg Schirmbeck am Mittwoch (6. März) bei einer Kranzniederlegung auf Burg Rabenstein in Chemnitz, anlässlich des 305. Todestages des Oberberghauptmannes von Carlowitz.
 
Die Forstwirtschaft von heute steht vor vergleichbar großen Herausforderungen, wie von Carlowitz seinerzeit. Die Folgen des Klimawandels haben Waldbesitzende und Forstleute vor allem im letzten Jahr zu spüren bekommen. „Die Schäden in den Wäldern Sachsens und darüber hinaus auch in vielen weiteren Regionen Deutschlands übertreffen die Schäden, die das Waldsterben vor 35 Jahren forderte, wir stehen vor einer Mammutaufgabe“, sagte Thomas Schmidt, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft. Bestätigen sich die Prognosen, dann könnte sich diese Entwicklung im Jahr 2019 nahtlos fortsetzen.  
 
„Die Forstwirtschaft hat im Klimawandel eine schwierige Doppelrolle: sie ist Opfer und Retter zugleich. Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald mit Sturm-, Dürre,- und Borkenkäferschäden treffen die Forstwirtschaft schwer. Andererseits stellen sich Waldbesitzende und Forstleute der Jahrhundertaufgabe und überlassen es nicht dem Zufall, den Wald stabil und zukunftssicher zu machen“, betonte Minister Schmidt. Die aktuelle Situation fordere ein hohes Engagement und den gesamten Sachverstand der Branche auf allen Ebenen heraus.  
 
„Der Wald in Deutschland ist ein besonderes Kulturerbe, um das uns die Welt bewundert und den Waldbesitzende und Forstleute für die Gesellschaft seit Generationen pflegen. Dieses Kulturerbe ist in Gefahr und wir müssen heute alles daransetzen, dass wir es nicht verlieren“ betonte Schirmbeck.  

„In diesem Sinne ist von Carlowitz aktueller denn je, sagt Dr. Dieter Füsslein von der Carlowitz-Gesellschaft. „Unser Verein kümmert sich um das geistige Erbe von Carlowitz. Wir wollen der Nachwelt nicht nur das Andenken an eine große Persönlichkeit vermitteln, sondern vor allem die Bedeutung seines Verdienstes für die Gesellschaft von heute herausstellen. Die Waldfläche in Deutschland zum Beispiel hat sich seit dem Wirken von von Carlowitz verdoppelt“, betonte Dr. Füsslein.  

Minister Schmidt: „Wir müssen und werden den Umbau der sächsischen Wälder in klimastabile und anpassungsfähige  Wälder weiter vorantreiben. Das erfordert umfangreiches Fachwissen, waldbauliches Geschick, Geduld aber insbesondere finanzielle und personelle Ressourcen. Da sind wir in Sachsen gut aufgestellt.“

DFWR-Präsident Schirmbeck stimmt dem Minister zu: „Diese Forderung lässt sich auf die Forstwirtschaft in ganz Deutschland übertragen. „Das ist nicht selbstverständlich und kein Selbstläufer, betont Schirmbeck. „Dafür benötigt die Forstwirtschaft in Deutschland dringend ausreichend und gut ausgebildetes Personal, auskömmliche Rahmenbedingungen sowie eine engagierte Forstpolitik,“ forderte Schirmbeck. Es dürfe nicht sein, dass beim Forstpersonal in den Ländern immer zuerst der Rotstift angesetzt werde, um die Haushalte zu sanieren.  
Gleichzeitig müsse sich die Branche noch stärker mit den Akteuren in Europa und weltweit vernetzen, weil der Klimawandel keine Grenzen kenne. „Der Deutsche Forstwirtschaftsrat wird sich deshalb auch stärker für eine gemeinsame europäische Forstpolitik engagieren, zum Beispiel im Rahmen der Waldstrategie für Europa“, betonte Schirmbeck.

 

Hier finden Sie einen Fernsehbeitrag von Sachsen Fernsehen zu dieser Veranstaltung.

Carlowitz-Dialog

Etwa 100 Interessierte folgten der Einladung zum Carlowitz-Dialog in das Foyer der Chemnitzer Stadthalle.

Der 5. März hat für Chemnitz eine besondere Bedeutung. An diesem Friedenstag wird der Opfer der Bombardierung im zweiten Weltkrieg gedacht. Gastgeber Dr. Füsslein von der Carlowitz-Gesellschaft e. V. erinnerte in seiner Eröffnung daran, dass für die Gesellschaft von heute die Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen ein Garant für Frieden ist.

Präsident Schirmbeck schilderte die aktuellen Auswirkungen des Klimawandels für den Wald, die Waldbesitzenden und die Forstleute. In der anschließenden Diskussion brachten die Gäste ihre Sorgen um den Wald zum Ausdruck und es wurde über verschiedene Lösungsansätze der Forstleute gesprochen.

Waldbesitzende und Forstleute nehmen die Jahrhundertaufgabe an, den Wald klimastabil und widerstandsfähig zu machen, damit wir auch in Zukunft einen Wald haben, der möglichst viele Funktionen erfüllen kann.

 

Carlowitz

Wer rettet das Klima?

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Wir können es uns nicht leisten, auf die CO2-Minderungspotenziale des Sektors Forst- und Holz zu verzichten!“

Das Bundeskabinett nahm am Mittwoch, den 6. Februar den Klimaschutzbericht 2018 an, aus dem hervorgeht, dass die festgelegten Ziele für den Klimaschutz 2020 um acht Prozent unterschritten werden.

„Wann fangen wir endlich an, Klimaschutz ernst zu nehmen,“ fragte besorgt Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e. V. in Berlin.  „Das letzte Jahr hat nachdrücklich gezeigt, welche verheerenden Folgen der Klimawandel für Wald und Waldbesitzende haben. Über 70 Millionen Kubikmeter Schadholz in Europa und Schäden in Milliardenhöhe sind eine erste Bilanz, die uns konkret beunruhigen. Denn: Was die Menschen bereits heute erleben, ist eine rasche Veränderung ihres gewohnten Umfeldes und Landschaftsbildes. Damit verbunden sind Einschränkungen im Erholungswert sowie der zeitweise Verlust weiterer Schutzeigenschaften des Waldes. Das könnte sich 2019 nahtlos fortsetzen, wenn sich unsere Prognosen bestätigen“, warnte Schirmbeck. 

„Wir begrüßen es daher ausdrücklich, dass die Autoren des Berichtes die Klimaschutzleistungen des Forst- und Holzsektors gegenüber dem Entwurf vom Herbst 2018 berichtigt haben“, betonte der DFWR-Präsident. Die CO2-Senkenleistung des Waldes durch nachhaltige Waldbewirtschaftung werde ebenso anerkannt, wie das CO2-Minderungspotenzial der Holzverwendung. „In Anbetracht der verfehlten Klimaschutzziele 2020 können wir es uns nicht leisten, auf diese Effekte zu verzichten“, betonte Georg Schirmbeck. Der DFWR werde auch künftig die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung kritisch begleiten und sich dafür einsetzen, dass die Klimaschutzleistungen des Forst- und Holzsektors darin angemessen berücksichtigt werden. 

„Wald und Forstwirtschaft sind in Bezug auf die Folgen des Klimawandels Opfer und Retter zugleich. Deshalb ist einerseits eine ambitioniertere Klimaschutzpolitik für Wald und Gesellschaft überlebensnotwendig“, betonte Schirmbeck. Wald und Waldbesitzende tragen andererseits selbst in erheblichem Maße zum Klimaschutz bei. Schirmbeck: „Der deutsche Wald sowie seine nachhaltige Nutzung spart jährlich rund 14 Prozent der nationalen CO2-Emissionen ein.“  Waldbesitzende und Forstleute stellen sich jeden Tag der Verantwortung, den Wald zu pflegen, in dem sie Holz ernten. Schirmbeck weiter: „Nur so ist es ihnen möglich, den Wald unserer Vorfahren weiter in klimaflexible, widerstandsfähige Mischwälder umzubauen. Mit nachhaltiger Waldwirtschaft gewährleisten sie, dass die Senkenleistung des Waldes nicht abreißt und sich die Gesellschaft auf die vielfältigen Waldfunktionen auch morgen noch verlassen kann. Vor diesem Hintergrund sollten Politik und Gesellschaft kritisch hinterfragen, ob beispielsweise das unreflektierte Stilllegen von Wald sinnvoll ist.“

„Waldbesitzende und Forstbetriebe in Deutschland benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, die sie bei der Bewältigung der Jahrhundertaufgabe unterstützen“, betonte der DFWR-Präsident.

Olivenbäume für den deutschen Wald?

Gemeinsame Pressemitteilung des DFWR und DBV

DFWR- und DBV-Veranstaltung auf IGW:

Forstwirtschaft und Klimawandel – Konsequenzen aus dem Dürresommer 2018
 
Nach der verheerenden Trockenheit des Sommers 2018 ist es auch im deutschen Wald und bei den
Jungbäumen zu teilweisen erheblichen Ausfällen gekommen. Die damit verbundenen Vermögensverluste
sind enorm. Durch die großen Mengen an Schadholz sind die Holzpreise „im Keller“. Besonders viele
Kleinwaldbesitzer könnten die Motivation für ihre Waldbewirtschaftung verlieren. Bund und Länder sind
daher gefordert, deutliche Zeichen der Ermutigung zu setzen. Die Diskussion um klimafeste Baumarten
muss offen und ideologiefrei geführt werden. Auch ist die Wissenschaft mehr denn je zu der Frage
gefordert, „welchen Wald wir brauchen“. Anders als in der Landwirtschaft ist das Pflanzen von
Waldbäumen eine Entscheidung für ein oder mehrere Generationen. Das sind die Ergebnisse einer
gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) und des Deutschen
Bauernverbandes (DBV) auf der Internationalen Grünen Woche (IGW). 

 „Die letzten 15 Monate brachten Winter- und Herbststürme, immense Trockenheit und Borkenkäfer in
einem Ausmaß, wie wir es noch nicht kannten“, fasste DFWR-Präsident Georg Schirmbeck die Situation
der deutschen Forstwirtschaft zusammen und verwies auf die damit verbundene prekäre Lage auf dem
Holzmarkt. Aber nicht nur die Waldbesitzenden selbst haben mit Vermögensverlusten zu kämpfen, auch
die Forstbaumschulen, die das wichtige Pflanzgut für die folgende Waldgeneration erzeugen, leiden unter
der Situation. Einerseits, weil auch sie trockenheitsbedingt nur wenig Pflanzen auf den Markt bringen
konnten, andererseits, weil durch das trockene Wetter die Nachfrage seitens der Waldbewirtschafter
gebremst war.  

In der Forstwirtschaft gilt es schon seit geraumer Zeit, Konsequenzen aus der zunehmenden
Klimaerwärmung und der Häufung von Extremwetterlagen zu ziehen. Von daher waren sich die
Diskutanten darin einig, das Potenzial der gesamten Baumartenpalette ausschöpfen zu müssen. Georg
Schirmbeck: „Anders als in der Landwirtschaft wirken sich im Wald Fehler bei der Pflanzenwahl über lange
Zeit aus, die Waldbesitzenden brauchen also jetzt die Möglichkeit, Bäume zu pflanzen, die auch mit den
künftigen Klimabedingungen zurechtkommen“. „Wenn es wärmer wird, kommt der Olivenbaum ohnehin
in 1000 Jahren zu uns“, veranschaulichte VDF-Geschäftsführer Alain Paul die Situation.

Der Wald ist auch in der Jugend en vogue. Das versucht SDW-Bundesgeschäftsführer Christoph Rullmann
zu nutzen, um die Folgen des Klimawandels für den Wald Kindern und Jugendlichen bewusst zu machen.
Die kommende Generation müsse den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Wälder erkennen und
verinnerlichen, wofür „Klimaschutz auch vor unserer Haustüre“ gut ist.
 
Weitere Informationen:
 
Der Deutsche Bauernverband (DBV) ist die Interessenvertretung der Landwirte in Deutschland. Der DBV ist
parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Über 90 Prozent der rund 300.000 landwirtschaftlichen
Betriebe in Deutschland werden über die regionalen Bauernverbände im Deutschen Bauernverband
vertreten. Gute die Hälfte der deutschen Landwirte bewirtschaftet auch Wald.