Fehlanzeige bei der Unterstützung für Waldbesitzende

Wirksame klimawandelbedingte Hilfen für die Forstbetriebe bleiben aus

Im Verlauf der letzten 12 Monate folgte ein Wetterextremereignis auf das nächste. „In Summe können die Auswirkungen auf den Wald und die Forstbetriebe als katastrophal beschrieben werden“, sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e.V. am Freitag (7. Dezember) in Berlin. „Die Forstwirtschaft hat aktuell alle Hände voll zu tun, um die eingetretenen Schäden zu beseitigen. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat fordert von der Politik Hilfsmaßnahmen, um die Forstbetriebe in dieser schwierigen Lage nach Kräften zu unterstützen und die zwingend notwendigen Anpassungsmaßnahmen im Wald mit Nachdruck voranzubringen“, betonte Schirmbeck.

„So wie ich es im Moment wahrnehme, sind die Bemühungen auf Bundesebne zur aktuellen Schadensbegrenzung für die Waldbesitzenden, zur Unterstützung bei der Wiederaufforstung geschädigter Waldflächen und zur Fortsetzung des Umbaus hin zu klimastabilen und widerstandsfähigen Wäldern eingeschlafen“, bedauerte der DFWR-Präsident. Schirmbeck warnt: „Wir müssen befürchten, dass im nächsten Frühjahr und Frühsommer eine der größten Kalamitätskatastrophen der letzten Jahrzehnte auf den deutschen Wald zu kommt. „Die Bundesministerien haben offenbar die angekündigte Schadensermittlung aus 2018 nicht in Auftrag gegeben. Viele verantwortliche Amtsträger nehmen offensichtlich gar nicht zur Kenntnis, dass der Nadelholzmarkt in Mitteleuropa zusammengebrochen ist“, sagte Schirmbeck enttäuscht „und die Situation wird 2019 kaum besser“.

„Angesichts der katastrophalen Lage können die bereitgestellten Mittel im Bundeshaushalt, von jährlich fünf Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, für die geschädigten Wälder in ganz Deutschland, noch kein adäquaten Beitrag der Bundesregierung sein. Man könnte meinen, die Bundesregierung beabsichtigt den deutschen Wald zu flächendeckenden Wildnisgebieten verkommen zu lassen“, sagte der DFWR-Präsident.

„In dieser Situation begrüßt der Deutsche Forstwirtschaftsrat ausdrücklich die Initiative von Rheinland-Pfalz, das im November dem Bundesrat einen Entschließungsantrag für die wirksame Unterstützung der Forstbetriebe in Folge klimawandelbedingter Extremwetterereignisse vorlegte“, erklärte Georg Schirmbeck. „Wir danken Frau Ministerpräsidentin Dreyer, dass Sie sich persönlich engagiert und Bewegung in die Beratungen bringt“, betonte Schirmbeck.

Schirmbeck fordert: „Es ist eine gigantische nationale und europäische Umweltkatastrophe, für die sich der Bund und die EU jetzt endlich engagieren müssen.“

Weitere Informationen:

Auszug aus dem Entschließungsantrag, der Bundesrat möge folgende Entschließung fassen:
1. Der Bundesrat stellt fest, dass der Wald und damit zugleich die Forstwirtschaft im laufenden Jahr durch klimawandelbedingte Extremwetterereignisse dramatische Schäden erlitten haben und einer wirksamen Unterstützung zu deren Behebung bedürfen.

2. Der Bundesrat begrüßt die durch die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft am 13. November 2018 angekündigte Erweiterung der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes” (GAK) um einen neuen Fördergrundsatz von “Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald”. Er hält die avisierten Mittel in Höhe von 25 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren allerdings für in keiner Weise hinreichend, um dem extremen Schadensausmaß gerecht zu werden. Diese Höhe würde auf Jahr und Hektar bezogen weniger als einen Euro ausmachen.

3. Angesichts der im Raum stehenden Schadenshöhe von bundesweit über fünf Milliarden Euro bittet der Bundesrat zwecks wirksamer Unterstützung notwendiger Maßnahmen um die hinreichende Ausstattung einer entsprechenden Förderung. Im Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung und Dimension der Aufgabe bittet der Bundesrat um Prüfung, inwieweit dies in Form eines Bundesprogramms ausgestaltet werden kann.

4. Der Bundesrat betont, dass es sich hierbei um eine Förderung handelt, die nicht zur Kompensation von Einkommensverlusten, sondern gezielt für Maßnahmen aufgewendet wird, die einen Nutzen für den Wald selbst und damit auch für die Erfüllung der waldgesetzlichen Aufgaben und der Allgemeinheit entfalten.

5. Der Bundesrat bittet die Bundesregierung zudem, zeitnah zu prüfen, inwieweit angesichts der Dimension der Schadenshöhe eine finanzielle Hilfe aus Mitteln des Solidaritätsfonds der Europäischen Union beantragt werden kann.

6. Darüber hinaus bittet der Bundesrat die Bundesregierung zu prüfen, inwieweit weitere Unterstützungsaktivitäten, wie beispielsweise angesichts aktueller Ausbreitungs- und Einschleppungsgefahren von Schaderregern durch Importe, amtlich verfügte Phytosanitärmaßnahmen in Form eines Entrindungsgebots für potenziell mit hier nicht heimischen Schaderregern infiziertem Importholz ergriffen werden sollten.

COP 24 in Kattowitz: Der Weg aus der Klimakrise führt in den Wald

In den nächsten zwei Wochen trifft sich die Welt in Polen, um sich bei COP 24 in Kattowitz über wirksame Klimaschutzmaßnahmen zu beraten. „Wenn das vereinbarte 1,5 Grad-Ziel des Pariser Weltklimaabkommens noch erreicht werden soll, müssen wir jetzt rasch und mit weitreichenden, bisher nicht dagewesenen Maßnahmen reagieren“, sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e. V. (DFWR) am Montag (3.12.) in Berlin.

„Die vergangenen 12 Monate haben uns deutlich vor Augen geführt, was die Folgen des Klimawandels für den Wald, die deutsche Forstwirtschaft aber auch für die Gesellschaft bedeuten. Stürme sowie langanhaltende Hitze und Dürre haben dem Wald 2018 besonders schwer zugesetzt und zu erheblichen Waldschäden geführt“, betonte der DFWR-Präsident. Wald und Forstwirtschaft haben im Klimawandel eine Doppelrolle: sie sind besonders von den Auswirkungen betroffen und sie tragen entscheidend dazu bei, dass die Klimaschutzziele erreicht werden können. „Der deutsche Wald sowie seine nachhaltige Nutzung sparen jährlich rund 14 Prozent der nationalen CO2-Emissionen ein. Schirmbeck betont: „Wir können es uns nicht leisten, diese erhebliche Klimaschutzleistung durch unüberlegte Nutzungsbeschränkungen im Wald aufs Spiel zu setzen, da insbesondere die nachhaltige Nutzung unserer Wälder die größten Klimaschutzpotenziale bietet“.

Die Forstleute und Waldbesitzenden arbeiten bereits seit rund 30 Jahren verstärkt daran, die Wälder an die sich ändernden klimatischen Bedingungen anzupassen. Dazu gehören unter anderem aktive Pflegemaßnahmen und das Pflanzen standortgerechter, produktiver Mischwälder, um die Klimastabilität und die Widerstandsfähigkeit zu verbessern. „Der dauerhafte Erhalt des Waldes und seiner vielfältigen Funktionen für die Gesellschaft sollte nicht nur die DNA der Forstleute und Waldbesitzenden sein. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die mehr wertgeschätzt und öffentlich stärker gefördert werden sollte“, forderte der DFWR-Präsident.

„Die deutsche Forstwirtschaft fordert deshalb verlässliche politische Rahmenbedingungen für die zwei Millionen Waldbesitzenden und Forstbetriebe. Es sollten nicht immer neue Hürden für die weltweit als Vorbild dienende nachhaltige deutsche Forstwirtschaft aufgebaut werden. Im globalen Maßstab erfüllen wir bereits die höchsten Standards für die Waldbewirtschaftung“, sagte Schirmbeck.

„Die Bundesregierung muss sich deutlich mehr anstrengen, um die ambitionierten
Klimaschutzziele zu erreichen. Die deutsche Forstwirtschaft steht als verlässlicher Partner
breit, sie dabei mit allen Kräften zu unterstützen“, betonte der DFWR-Präsident.


Weitere Informationen:


COP 24
Vom 2. bis 14. Dezember 2018 findet in Kattowitz (Polen) die 24. UN-Klimakonferenz statt
beziehungsweise die 24th Conference of the Parties, kurz COP 24. Sie soll die Umsetzung des
2015 verabschiedeten Weltklimaabkommens einleiten und weiter voranbringen.
Im Oktober 2018 wurde der Sonderbericht zur globalen Erwärmung von 1,5 Grad des
Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) veröffentlicht. Danach wäre das im
Weltklimaabkommen von Paris vereinbarte 1,5 °C-Ziel gerade noch erreichbar, wenn jetzt mit
schnellen und weitreichenden, bisher nicht dagewesenen Maßnahmen reagiert würde.

Klimaschutzbericht 2018: Forstwirtschaft sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf

Innerhalb der Bundesregierung wird derzeit der Klimaschutzbericht 2018 abgestimmt. „Zu unserer Verwunderung müssen wir leider feststellen, dass der uns bekannte Entwurf aus dem Bundesumweltministerium, wie auch schon im Rahmen der Erarbeitung des Klimaschutzplans 2050, wissenschaftliche Fakten negiert und auf Kosten einer wirksamen Klimaschutzpolitik sowie des gesamten Sektors Forst und Holz einseitige, ideologisch geprägte Sichtweisen in den Vordergrund stellt“, sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates am Freitag (30.11.) in Berlin, bei der Vorstellung einer gemeinsamen Stellungnahme von Verbänden des Clusters Forst und Holz.
Der Klimawandel und seine Folgen haben eine sehr große Bedeutung für den deutschen Wald und die deutsche Forstwirtschaft. Die Sturmereignisse der vergangenen 12 Monate sowie die anhaltende Hitze und Dürre haben für erhebliche Schäden in den deutschen Wäldern gesorgt. „Es sind noch lange nicht alle Schäden dieser Ereignisse abzusehen. Dennoch können wir bereits jetzt davon ausgehen, dass sich die Schäden für die Forstbetriebe auf mehrere Milliarden Euro summieren werden“, sagte Schirmbeck.
„Eine ambitionierte Klimaschutzpolitik liegt im Interesse der gesamten deutschen Forstwirtschaft und der Sektor ist auf die Wirksamkeit dieser Politik angewiesen“, betonte Schirmbeck. Auf der anderen Seite trägt die Forstwirtschaft selbst in erheblichem Maße zum Klimaschutz bei. „Insgesamt spart der deutsche Wald sowie seine nachhaltige Nutzung jährlich rund 14 Prozent der nationalen CO
2-Emissionen ein. Für die permanente Erbringung dieser erheblichen Klimaschutzleistung, ist der dauerhafte Erhalt der Wälder, deren aktive Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen sowie seine nachhaltige Bewirtschaftung essenziell“, erklärte der DFWR-Präsident.

Der Klimaschutzbericht 2018 könnte diese Doppelrolle am besten würdigen, wenn er folgende Vorschläge unterbreitet:

1.          Abbau hemmender Rahmenbedingungen für die Forst- und Holzwirtschaft, damit mehr
Kohlenstoff gebunden sowie seine vermehrte Freisetzung vermieden werden kann.

2.          Wald weiter umzubauen, hin zu klimastabilen und widerstandsfähigen Wäldern, als eine
gesamtgesellschaftliche Jahrhundertaufgabe anzusehen, die öffentlich stärker gefördert werden sollte.

„Der Deutsche Forstwirtschaftsrat fordert gemeinsam mit den anderen Verbänden aus dem Cluster Forst und Holz dringend eine Anpassung des Klimaschutzberichtes 2018, um der Doppelrolle des Waldes im Klimawandel gerecht zu werden“, betonte Georg Schirmbeck.

 

Stellungnahme zum Klimaschutzbericht 2018: hier

Formulierungsvorschläge: hier

Stilllegungsziele bleiben bei fünf Prozent

Bundesumweltministerium sichert deutscher Forstwirtschaft zu: Stilllegungsziele bleiben auf fünf Prozent der Waldfläche beschränkt

Ein für Ende November geplanter Wildnis-Workshop des Bundesamts für Naturschutz (BfN) hatte innerhalb der Forstbranche Irritationen ausgelöst. „Wir waren sehr besorgt, dass hinter verschlossenen Türen über das Ziel der natürlichen Waldentwicklung (NWE) hinaus weitere Wildnisgebiete im Wald geplant werden könnten“, sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e. V. „Deswegen haben wir uns sehr über ein klärendes Gespräch mit Staatsekretär Flasbarth vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Ende Oktober gefreut“, betonte der DFWR-Präsident. „Staatssekretär Flasbarth hat den deutschen Waldbesitzern und Förstern ausdrücklich zugesagt, dass es bei der NWE-5-Kulisse bleibt und keine darüberhinausgehende Stilllegungsziele geplant sind“, hob Schirmbeck hervor.

Vor allem angesichts des Klimawandels sei die deutsche Forstwirtschaft ein kompetenter und verlässlicher Ansprechpartner für das BMU. Auch das sei bereits Thema beim Gespräch mit Herrn Flasbarth gewesen. „Die Forstleute und Waldbesitzenden der betroffenen Regionen sowie die Forstwissenschaft haben zahlreiche Daten über den regional verheerenden Hitzesommer 2018 gesammelt und sind Experten für standortspezifische Lösungen für die Zukunft“, erklärte Schirmbeck. „Forstwirtschaft und BMU teilen das Interesse, dass die zahlreichen Leistungen des Waldes, wie Arten- und Klimaschutz, die Reinigung von Luft und Wasser sowie der Schutz des Bodens und das Bereitstellen eines Raums für Sport und Erholung auch weiterhin gewährleistet werden können. Deswegen müssen wir in Kontakt bleiben“, betonte Schirmbeck. „Entsprechend freue ich mich über Herrn Flasbarths Zusage, die Deutsche Forstwirtschaft auf dem gemeinsamen Branchenstand im Rahmen der Grünen Woche im Januar 2019 in der Halle 4.2 zu besuchen. Darüber hinaus ist Staatsekretär Flasbarth zur nächsten Jahrestagung des Verbandes im April 2019 eingeladen. Schirmbeck habe Herrn Flasbarth als einen engagierten Diskussionspartner kennengelernt. „Wir würden uns sehr freuen, ihn in Warnemünde begrüßen zu dürfen“, sagte Schirmbeck.

Auf Besuch in Finnland

Vergangene Woche reisten DFWR-Präsident Georg Schirmbeck und Geschäftsführer Wolf Ebeling nach Finnland. Dort besichtigten sie das PONSSE-Werk und informierten sich vor Ort über den Stand der Digitalisierung bei Forstmaschinen. Des Weiteren tauschte man sich bei einem „Runden Tisch“ unter anderem mit Vertretern desfinnischen Landwirtschafts- und Forstministeriums über die Lage der Forstwirtschaft in den beiden waldreichen Ländern aus. Mitgenommen wurden, neben Einblicken in aktuelle forsttechnischen Neuerungen, reichlich Erkenntnisse über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Waldbewirtschaftung der beiden Länder.

Auf dem Bild (v.l.): Tuomo Moilaiven (PONSSE), Annegret Wahlers-Dreeke (Wahlers Forsttechnik), Ehrengard Dümpert von Alvensleben (Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt), Ralf Dreeke (Wahlers Forsttechnik), Robert Morigl (Vorsitzender KWF), Prof. Dr. Ute Seeling (Geschäftsführende Direktorin des KWF), Georg Schirmbeck (Präsident DFWR), Silvia Settekorn (Vorsitzende FUV Brandenburg), Wolf Ebeling (Geschäftsführer DFWR), Raimund Ziegler (FHP Österreich)